Jacqueline Niedzielski führt Friseursalon in Treysa

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Geschickt mit Schere und Kamm: Jacqueline Niedzielski ist auch Mitglied im Vorstand der Friseurinnung Schwalm-Eder. 

Treysa. Spaß am Ausbildungsberuf zum Friseur zu vermitteln ist nicht ganz leicht: Wie in anderen Branchen des Handwerks fehlen Lehrlinge.

„Dabei ist der Beruf an sich schön und kreativ, aber die meisten Jugendlichen denken an die vielen Stunden und das wenige Geld“, sagt Jacqueline Niedzielski.

Die 40-jährige Neukirchenerin ist Friseurmeisterin mit einem Salon in Treysa und Vorstandsmitglied der Innung. Insbesondere auf dem Land werde es immer schwieriger, Azubis zu finden.

Das Team zählt

Das läge zum größten Teil daran, dass andere Berufe gefragter seien. Dabei kommt es Niedzielski beispielsweise für ihren Salon gar nicht vordergründig darauf an, dass die Kandidaten passable Zeugnisnoten hätten: „Ich schaue in erster Linie, ob der Bewerber zu unserem Team passt und vor allem, wie sein Auftreten ist.“

Schwierige Teenager

Denn zweifelsohne könne jemand, der nicht mit Freude zur Schule gegangen sei, über ein gutes Auftreten verfügen und praktisch begabt sein. „Im Umgang mit den verschiedenen Kunden ist Fingerspitzengefühl und Empathie gefragt“, betont sie. Kunden erwarteten heute vom Friseurbesuch einfach mehr als bloßes Haareschneiden. „Die anspruchvollsten Kunden sind mittlerweile Teenager. Die haben sich bereits auf Youtube über die aktuellsten Färbe- und Schnitttechniken informiert und wissen sehr genau, was sie wollen.“

Generell habe sich das Image der Friseure durch Umstyling-Formate im Fernsehen verbessert: „Wir sind aus der Dummchen-Ecke rausgekommen.“ Gut findet Niedzielski auch die Einführung des Mindestlohns. „Ich habe ihn schon vorher gezahlt“, erklärt sie.

Salon und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer leicht. „Es erfordert sehr viel Organisation“, sagt die zweifache Mutter. „Und es ist ein Knochenjob“, gibt sie zu.

Stark gefordert

Sowohl körperlich als auch psychisch sei man doch sehr gefordert. Das würden gerade Berufsanfänger unterschätzen. Was sie schätzt, ist der Kontakt zu Kollegen. „Heute ist man offener geworden. Man tauscht sich aus, neidet den Anderen nichts.“

Und man spreche auch die Probleme offener an als früher. Aktuell eben den Mangel an Lehrlingen im Friseurhandwerk.

Quelle: HNA

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