Herbert Schmidt zieht sich als Ausbilder für Jungjäger und Ausbildungsleiter zurück

Jagd ist mehr als Schießen

Kreisteil Melsungen. Wer glaubt, Jägern gehe es nur ums Schießen, kennt Herbert Schmidt nicht. Die Liebe zur Natur hat den 75-jährigen Gensunger vor 52 Jahren zur Jägerei gebracht. Seit 1994 hat er sein Wissen an Neulinge weitergegeben. Seit 1999 war er Ausbildungsleiter und kümmerte sich zusätzlich um die Organisation. Und nun hat er aus Altersgründen aufgehört. Fred Eckert ist sein Nachfolger.

277 Männern und Frauen hat er in den vergangenen 18 Jahren gelehrt, dass Jagd eben mehr ist, als Hasen, Rehe, Hirsche und Füchse zu erlegen. Wenn er mit den Lehrgangsteilnehmern sonntagmorgens in den Wald zog, dann ging es ihm weniger um die großen Tiere: ein Buchenkeimling ist ebenso interessant wie die Spechthöhle in einem Baumstamm. Schmidt: „Es gibt immer etwas zu sehen.“

Da freut es ihn, wenn der Jägernachwuchs als Grund für die Lehrgangsteilnahme angibt: Spaß an der Natur. Dass jemand sage, er komme, um zu schießen, „das rangiert unter ferner liefen.“ Schmidt: „Es ist ja auch nicht zwingend, dass sich jemand nach der Prüfung einen Jagdschein holt.“

Und, so hat er in den vielen Jahren festgestellt: Egal ob Jugendlicher oder Rentner – die meisten hatten zuvor keinen Bezug zur Jagd.

Wer später jagen will, geht entweder mit Bekannten mit oder der holt sich beim Forst einen Jagderlaubnisschein – entweder für eine bestimmte Tierart, für ein Revier oder für ein Jahr. Wer drei Jahresscheine plus den aktuellen vorweisen kann, darf ein Revier pachten. Er ist dann Jagdausübungsberechtigter.

So wie auch Herbert Schmidt für einige Jahre eine Pacht in Gensungen und dann für neun Jahre in Beuern hatte.

Nach über 50 Jahren als Jäger kennt sich der 75-Jährige aus: in der Theorie ebenso wie in der Praxis. Und so gestaltet er seinen Unterricht so lebendig wie möglich. Dann bleibt auch mehr bei den angehenden Jägern im Gedächtnis haften. Es hat etliche Jahre gegeben, da ist kein einziger Prüfling durchgefallen. Hin und wieder ist aber auch einer dabei, bei dem es im ersten Anlauf in der schriftlichen oder der mündlichen Prüfung oder beim Schießen nicht auf Anhieb klappt. Alles in allem können Schmidt und die anderen Ausbilder aber eine sehr erfreuliche Bilanz ziehen: Bei den Jungjägerprüfungen seit dem Jahrgang 1994/95 bis heute haben im Durchschnitt 87,7 Prozent bestanden. Der Landesdurchschnitt liegt bei 72,8 Prozent.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt der Waidmann, und es freut ihn immer wieder, wenn frühere Schüler ihn herzlich begrüßen, „auch wenn ich bei meinem schlechten Namensgedächtnis manchmal nicht gleich weiß, wer vor mir steht“. Artikel unten

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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