„Sie müssen hineinpusten, als ob sie Spucken würden“

Selbstversuch: Wie man dem Jagdhorn einen Ton entlockt

Auf dem Grillplatz in Oberelsungen: Hier treffen sich die Jagdhornbläser des Kreisjagdvereins Wolfhagen. Bei ihrem letzten Beisammensein zeigten sie HNA-Volontärin Nina Nickoll, wie man ein Ton aus dem Parforcehorn (in der linken Hand) bekommt. Bei den großen Hörnern handelt es sich um zwei Trompe de Chasse, alle drei Jagdhörner sind aus Messing mit einem Lederriemen umwickelt. Foto: Privat

Oberelsungen. HNA-Volontärin versuchte sich bei einem Besuch der Jagdhornbläser des Kreisjagdvereins Wolfhagen an dem Blasinstrument.

Es ist Montagabend halb Acht und schon bitterkalt. Mich fröstelt es, als ich - nachdem ich einen löchrigen, unbefestigten Feldweg hinauf gefahren bin - aus dem Auto steige. Ich stehe auf dem Grillplatz am Ortsrand von Oberelsungen, zwischen Holzbänken und Stühlen und einer erloschenen Feuerstelle - wie schön wäre es, wenn sie brennen würde. Doch ich freue mich auch, dass ich heute ein Jagdhorn blasen darf.

Wenig später biegt ein türkisfarbenes Auto um die Ecke. Heraus steigen Volker Thomaszik, Bläserobmann der Jagdhornbläser des Kreisjagdvereins (KJV) Wolfhagen und seine Frau Marta Thomaszik. Sie trägt Kerzen und Getränkekisten in die windgeschützte Grillhütte.

Es geht gleich los 

„Kommen Sie doch auch hier rüber, nicht, dass sie noch erfrieren“, sagt Marta Thomaszik. Ihr Mann begrüßt mich freundlich und sagt: „Unsere Jüngste gibt heute ihren Ausstand“. Gemeint ist die 25-Jährige Sabrina Schwarz, die später einen Mett-Igel und Brötchen auf die Hütte bringen wird. So sei es bisher meistens mit dem Bläsernachwuchs gewesen: Oft aus beruflichen Gründen - so ist es auch bei Sabrina.

Doch heute steht die Geselligkeit im Vordergrund - und natürlich mein Selbstversuch. Also drückt mir Thomaszik eines seiner Parforcehörner in die Hand. Gleich geht es also los. Ich werde das erste Mal im Leben in ein Jagdhorn blasen. Noch bin ich unsicher, wie ich das Horn richtig halte. Thomaszik sucht noch das passende Mundstück für mein Horn. Ich stecke es fest und umgreife das Horn in der Mitte. Es besteht aus einer zylindrischen Röhre aus Messing, die zum Ende hin wie ein Kegel geformt ist, es ist mit einem grünen Lederband umwickelt und fühlt sich weich an.

Ein Ton erklingt 

Die Jagdhornbläser des KJV Wolfhagen: Trainiert wird alle zwei Wochen auf dem Grillplatz in Oberelsungen.

„Sie müssen hineinpusten, als ob sie Spucken würden“, sagt Thomaszik. Ich schau, wie er es macht. Doch heraus kommt bei mir nur ein Pusten. Ich merke, dass ich die Lippen noch mehr anspannen muss. Thomaszik empfiehlt, dass Mundstück wieder abzunehmen und erst dort hineinzublasen. Und siehe da: Es kommt ein heller Ton heraus.

Ich stecke das Mundstück wieder auf das Horn. Auch der zweite Versuch mit dem Parforcehorn ist erfolgreich. Doch schön klingt es nicht. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, tröstet mich der 69-Jährige.

Ich frage Thomaszik, ob jeder, der Trompete spielt, auch Jagdhorn spielen kann? „Wer Trompete bläst, kann auch Jagdhorn blasen, anders herum gilt das aber nicht.“ Doch: Vorkenntnisse mit einem Instrument brauchen Jagdhornbläser nicht, sagt mir Ilsabé von der Malsburg: „Man muss sich nur ein bisschen reinhören, und dann geht es.“

Gleich gibt es Mett-Igel, davor wird musiziert. Die 15 Bläser - die meisten in Grün - reihen sich auf, stemmen eine Hand in die Hüfte, mit der anderen halten sie das Horn und blasen die Signale „Begrüßung“ und „Zum Essen“.

Von Nina Nickoll 

Hintergrund

Die Mitglieder der Bläsergruppe treffen sich alle zwei Wochen zum Üben. Treffpunkt ist von Mai bis Oktober die Grillhütte in Oberelsungen, im Winterhalbjahr ist es die Gaststätte „Zum Bärenberg“ in Altenhasungen. In der Bläsergruppe sind Anfänger und Geübte, Nichtjäger und Jäger willkommen, der Bläserobmann informiert über den nächsten Übungstermin. Volker Thomaszik ist zu erreichen unter 05606/ 81 55. (nni)

Quelle: HNA

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