Jagen ist nicht nur etwas für Machos

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Kümmert sich um die Zukunft: Britta Hartmann-Barth, 1. Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Wolfhagen bildet im Verband den Nachwuchs mit aus. Daheim (wie hier im Garten in Breuna) bildet sie zusammen mit Tochter Josephine und Wachtelhund Watz (rechts) den zwei Monate alten Dackelwelpen Finchen zur Jagdhündin aus.

Breuna. Jagen Frauen anders als Männer? Diese Frage würde Britta Hartmann-Barth, 1. Vorsitzende des Kreisjagdverbandes (KJV) Wolfhagen, nie pauschal mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten.

 Denn für die Breunaerin ist der Beruf des Jägers geschlechtsneutral. „Es geht um das Können und nicht darum, ob sie Mann oder Frau sind - und es gibt nichts, was Frauen nicht auch können.“ Doch einen kleinen Unterschied gebe es schon. „Frauen hinterfragen ihr Handeln anders. Sie sind sich bewusst, dass sie töten und thematisieren ethische Fragen öfter als Männer, die diesen Aspekt eher überspielen“, so die 43-Jährige. „Und Frauen prahlen weniger.“

Bei vielen Menschen herrscht noch das Bild des Jägers als Macho vor, der gerne mit großen Waffen prahlt und dem es um den Spaß am Töten geht. Typische Machos gebe es in der Jägergemeinschaft aber kaum noch, so Hartmann-Barth. Und: „So jemanden wollen wir in unseren Reihen auch nicht haben. Es geht nicht darum, eine großkalibrige Waffe zu besitzen und irgendetwas abzuknallen: Wenn jemand gerne Tiere tötet, sollte er Metzger werden“, so Hartmann-Barth.

Die dreifache Mutter jagt seit ihrer Jugend. Als Tochter eines Försters und Schwester von zwei älteren Brüdern, die auch jagen, wuchs sie in die Jägertradition hinein. „Wenn ich mich vorstelle, sage ich nicht: Ich bin Jägerin, sondern: Ich jage - für die meisten bin ich sowieso nur Britta“, beschreibt Hartmann-Barth ihr Selbstverständnis. „Jagd war immer dass, was die ganze Familie gemacht hat, deshalb war es für mich in Ordnung, Tiere zu töten.“

Schwanger in die Prüfung 

Doch dass Frauen jagen, ist noch nicht lange selbstverständlich. „Frauen, die aktiv jagen und auch so auftreten, gibt es erst seit 20 Jahren“, sagt Hartmann-Barth, die für dieses Jahr 22 Jagden angemeldet hat. Lange galt die Devise: Frauen haben nicht zu töten. Die Tatsache, dass Bäuerinnen etwa schon immer Gänse getötet hätten, um sie zu essen, sei einfach ausgeblendet worden.

Die Tradition des Berufsjägers, die es seit 1848 gibt, hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Hartmann-Barth bekam die Umbrüche während ihres Studiums der Forstwirtschaft in Göttingen mit. Frauen waren damals noch eine Ausnahmeerscheinung, aber akzeptiert. „Ich habe die Abschlussprüfung hochschwanger in der Forstuniform abgelegt, dass war eher ungewöhnlich.“

Auch an ihrer Wahl zur 1. Vorsitzenden des KJV Wolfhagen habe sich der ein oder andere erst gewöhnen müssen. Doch es tue sich etwas: Vor einem Jahr wurde sie in den Vorstand des Landesjagdverbandes Hessen gewählt, dort ist sie für den Bereich Nord zuständig. „Dass verstehe ich als Zeichen.“

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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