Die Zierenbergerin Marie Range feiert heute Geburtstag – Sie freut sich auf 80 Gäste

100 Jahre, aber nicht alt

Feiert heute ihren 100. Geburtstag: Marie Range mit einem alten Familienfoto aus ihren Oberelsunger Tagen. Foto: Hoffmann

Zierenberg. Ihre Augen machen Probleme, und mit dem Laufen klappt es seit einem Oberschenkelhalsbruch vor zehn Jahren auch nicht mehr so gut. Ansonsten ist Marie Range, geborene Rettberg, topfit und ohne ihren Rollator, mit dem sie munter durch ihr Haus an der Potsdamer Straße tanzt, würde man ihr das Alter kaum glauben. 100 Jahre wird sie heute alt. „80 Freunde und Familienmitglieder habe ich in den Kasseler Hof eingeladen, das gehört sich doch so“, sagt sie.

Das Feiern hat sie ihr ganzes Leben begleitet, große Teile ihrer Jugend verbrachte sie in der Gastwirtschaft ihres Vaters in Oberelsungen. „Da war immer was los“, meint sie . Im alten Rathaus hat sie bedient, Theater gespielt und ihren Mann Wilhelm kennengelernt.

Schreiben als Leidenschaft

Der heutige Zierenberger Stadtteil ist für lange Zeit Marie Ranges Zuhause gewesen, nachdem sie am 6. August 1912 in Guxhagen geboren worden und kurz darauf für einige Jahre mit ihren Eltern nach Niederzwehren, später nach Naumburg gezogen war. An Oberelsungen hängt ihr Herz noch heute, auch deshalb hat sie ihrem einstigen Heimatort Gedichte gewidmet. Eine ihrer Leidenschaften war das Schreiben. „Was mir in den Kopf kam, habe ich zu Papier gebracht, vom Erntetuch habe ich ein ganz großes Ding geschrieben“, sagt sie stolz. Nachdem sie geheiratet hatte, zog sie mit ihrem Wilhelm nach Kassel, wo sie ihre Tochter Marianne zur Welt brachte. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebte die Familie dort. „Schlimm waren die Bombenangriffe“, erinnert sich Range, vor denen sie nach Oberelsungen flüchteten, wo die Geburt der zweiten Tochter Heidrun das Glück perfekt machte.

Ein Schicksalsschlag sollte Marie Ranges Leben prägen, als ihre jüngere Tochter 1964 bei einem Verkehrsunfall starb. Kurz darauf zog sie mit ihrem Mann und Tochter Marianne nach Zierenberg. Der Ehemann starb 1979, fortan lebte sie allein im großen Haus. Handarbeiten, Kreuzworträtsel und das Kartenspielen mit den Cousinen wurden zum Lebensmittelpunkt, die Besuche im Seniorenclub nicht zu vergessen. Die lässt sie sich bis heute nicht entgehen, gerade vergangene Woche war sie mittendrin beim Seniorentag des Zierenberger Viehmarktes.

Tochter Marianne lebt wieder bei ihrer Mutter. Dreimal die Woche besucht Marie Range die Tagespflege in Calden, wo sie häufig nach einem Rezept gefragt wird, wie man mit 100 Jahren noch geistig so rege sein kann? „Das wüsste ich wirklich auch gern“, sagt sie dann lachend.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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