90 Jahre Bergmannsverein Borken

Da wagten manche Gäste sogar ein Tänzchen: Im proppevollen Festzelt sorgte das Helen-Fischer-Double Victoria nach dem Festakt für beste Stimmung. Fotos: Zerhau

Borken. Es war ein Stadtbild wie in alten Tagen, als in Borken noch Braunkohle abgebaut wurde, das sich den Stadtfestbesuchern am Sonntag bot. Über 500 Bergleute in ihren traditionellen Uniformen waren aus dem gesamten Bundesgebiet zum 12. Hessischen Bergmannstag angereist.

Das Fest fand anlässlich des 90-jährigen Bestehens vom Bergmannsverein Glückauf Borken statt. Höhepunkt war die Bergparade, ein Umzug der Bergleute mit ihren Standarten durch die Stadt.

Festauftakt war ein ökumenischer Gottesdienst im Festzelt mit Bischof Martin Hein, Pfarrer Jochen Löber, Diakon Zlatko Mihajlov und Pastor Bernd Hensel. Man könne nicht feiern, so Bischof Hein, ohne an das verheerende Grubenunglück vom 1. Juni 1988 zu erinnern, das die gesamte Region verändert und die Menschen habe zusammenrücken lassen.

Nach der Mittagspause zogen die Bergleute bei der Bergparade durch die Stadt, von den vielen Zuschauern am Straßenrand mit Beifall und Glückauf-Rufen bedacht. In der Straße am Tor nahmen Regierungspräsident Walter Lübke, Landrat Winfried Becker, Bürgermeister Bernd Heßler, Bergmannsvereinsvorsitzender Adolf Geis und Vertreter der Bergleute die Parade ab.

Adolf Geis ging in seiner Ansprache im Festzelt auf die Geschichte des Borkener Bergmannsvereins ein, der 1925 von 18 Bergleuten der Grube Altenburg gegründet wurde und dessen erster Vorsitzender Martin Schymanowski wurde. Die Gründung fiel in die Zeit des Beginns der Borkener Bergbau- und Kraftwerksära. 1923 förderten die ersten industriellen Borkener Braunkohletief- und Tagebaue die ersten Ressourcen zutage, das Großkraftwerk Main-Weser ging im selben Jahr ans Netz.

Bergmannsfeste ab 1930 

Der Bergmannsverein bot den aus vielen zugereisten Bergleuten einen Treffpunkt in der neuen nordhessischen Heimat. Das erste Vereinsfest mit Weihung der Vereinsfahne fand am 15. und 16. Juni 1929 statt. Ab 1930 wurden die traditionellen Bergmannsfeste mit Beteiligung der Borkener Bevölkerung gefeiert.

Vor dem 2. Weltkrieg löste sich der Verein auf, brachte aber noch die Vereinsfahne vor den Nationalsozialisten in Sicherheit. Nach dem Krieg wurde die Bergmannstradition dann fortgesetzt.

Nach der Stilllegung der Bergbaubetriebe und dem Abschalten des Kraftwerks 1991 stellte der Bergmannsverein seine Tätigkeit nicht ein, sondern setzte seine Energie dafür ein, um das Hessische Braunkohlebergbaumuseum aufzubauen und dort eine Erinnerungsstätte zu haben.

Musikalisch endete das Stadtfest dann am frühen Abend mit Victoria, einem Helene-Fischer-Double, im proppevollen Festzelt. Den Superhit „Atemlos“ wollten die bestens gelaunten Gäste unbedingt hören, mit stimmgewaltiger von Landrat Winfried Becker. Den musikalischen Schlusspunkt setzten das Duo Popcorn aus Bad Wildungen.

Quelle: HNA

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