25 Jahre Jungschar - aber Jugendarbeiterstelle wackelt

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Regenbogenball: oben von links Hans-Günter Späth mit Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski und Sohn und Betreuer Steffen in Schwarzenberg vor dem Evangelischen Gemeindehaus, dem Hauptquartier der Jungschar.

Melsungen. Die Jungschar Melsunger Land feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Hans-Günter Späth lädt nach Schwarzenberg ein. Trotz der erfolgreichen Arbeit des Jungenscharleiters stellt die Kirche die Stelle zur Disposition, da die Finanzierung nicht steht.

„Günni und die Pflaumenpflücker in der Frittenbude“, das mag für viele sonderbar oder nach dem Titel eines Kinderbuches klingen. Aber für weit mehr Menschen in Melsungen und vor allem in den Stadtteilen ist völlig klar, worum es geht. Günni ist Hans-Günter Späth, die Pflaumenpflücker sind seine Jungschar-Kinder, und die Frittenbude ist seine Jungschar.

Aber irgendwie ist es auch ein Kinderbuch. Denn Jungscharleiter und Diplom-Religionspädagoge Hans-Günter Späth (58) veröffentlicht anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Jungschar im Melsunger Land ein Buch mit 25 Geschichten aus 25 Jahren Jungschar mit eben diesem Titel.

Dass es bisher nur um seine Person geht, wird Hans-Günter Späth wohl nicht mal Recht sein, denn Späth geht es ausschließlich um die Jungen und Mädchen, die er seit 25 Jahren betreut, für die er einfach nur Günni ist. Seit nunmehr 25 Jahren will die evangelische Jugend Melsunger-Land Farbe in das Leben von Kindern, Jugendlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern bringen. Es ist ihr gelungen.

Tausende hat er mit seinen Helfern und Freunden auf Freizeiten betreut und wohl beinahe ebenso viele junge Menschen in wichtigen Jahren ihres Lebens begleitet. Die Geschichte der Jungschar ist so eng mit seiner Person verknüpft, dass man sie nicht unabhängig voneinander erzählen kann. Zum Melsunger Land gehören nur die fünf Stadtteile Schwarzenberg, Röhrenfurth, Obermelsungen, Kehrenbach und Kirchhof. Günsterode und Adelshausen werden nicht mitbetreut.

Stadtteile verbunden

„Wie stark die Jugendarbeit von Hans-Günter Späth die fünf Stadtteile zusammengebracht hat und bis heute verbindet, zeigt sich in vielen anderen Aktivitäten“, sagt Pfarrer Dr. Sigurd Sadowski. Die fünf Orte sind mittlerweile in einem Gesamtverband zusammengeschlossen. Zur Jungschar und Späths Arbeit gehören in den fünf Stadtteilen die regelmäßigen und verlässlichen Wochentreffen mit mehr als 140 Kindern und 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern von 14 bis 50 Jahre. Die Mitarbeitertankstelle für alle ehrenamtlichen Helfern zur Vorbereitung der vielen Aktivitäten. Viele jahreszeitlich bedingte Projekte wie das Hüttenprojekt, Weihnachtsworkshops und ein kreatives Lutherprojekt zur Reformation, Familiengottesdienste, Kanutouren, Wochenend- und Sommerfreizeiten und vieles mehr.

Fest in Regenbogenfarben

Zum großen Farbenfest am Samstag, 11. Juli, in Schwarzenberg sind alle Melsunger eingeladen. Gefeiert wird unter dem Motto „25 Jahre Jungschar macht das Leben bunt“. Für das Fest gibt es ein Regenbogenlogo: „Der Regenbogen steht im biblischen Verständnis für Treue und Freundschaft Gottes zu uns Menschen“, sagt Späth. Los geht es Samstag um 11 Uhr auf dem Sportplatz in Schwarzenberg. Auf dem Programm stehen Regenbogenlieder, ein Erzählcafé und -theater, ein Regebogenfotostudio, Regenbogensandbilder, Schnupperkurs Speedminton, Regenbogenball-Turnier, ein Fußball-Hockey und viele weitere Spiele. Für Essen und Trinken wird natürlich reichlich gesorgt sein. Ab 17 Uhr spielt Tobias Schopf mit seiner Band Sogie. Die drei Musiker aus Melsungen, Frankfurt und Fulda spielen zum Tanz auf. Schopf ist der kirchliche Jugendarbeiter der Stadt Melsungen.

Das hat Geschmäckle: Einerseits lobt der Evangelische Gesamtverband Melsunger Land die Arbeit von Hans-Günter Späth über den grünen Klee, andererseits setzt er der Stadt Melsungen die Pistole auf die Brust: Entweder gibt es einen Zuschuss zur Jugendarbeiterstelle oder sie muss zur Disposition gestellt werden.

In einem Schreiben an die Stadt heißt es, dass ohne eine Beteiligung die Stelle zur Disposition gestellt werden müsse. Etwa 70.000 Euro kostet die Jugendarbeit jährlich, 25.000 Euro erhofft sich die Kirche von der Stadt. Unterschrieben hat der Vorsitzende des Gesamtverbandes Dr. Sigurd Sadowski.

Harsche Kritik am Schreiben gibt es von den Ortsvorstehern. Nicht alle waren in diesen Vorstoß der Kirche eingeweiht. In einer Stellungnahme heißt es, dass die Formulierungen nicht glücklich seien und es sich um eine Art Erpressung handeln könnte, die man nicht unterstütze. In der Sache sei man bei der Kirche. „Da in den Ortsteilen nur sehr wenig Arbeit durch die Haspel Melsungen stattfindet, ist die Arbeit von Hans-Günter Späth enorm wichtig und muss zwingend erhalten werden“, heißt es in dem Schreiben der Ortsvorsteher.

Man könne sich eine Unterstützung der kirchlichen Jugendarbeit vorstellen, sagt dazu Markus Boucsein, Melsungens Bürgermeister. Den Brief von Sigurd Sadowski habe er als undiplomatisch formuliert empfunden. Die Jugendarbeit in den Stadtteilen sei ausbaufähig, die Arbeit von Späth sehr wichtig. Ein sanfteres Vorgehen in der Sache wäre zielführender gewesen.

Der erneute Vorstoß in der Sache sei wichtig gewesen, sagt Sadowski dazu - die Formulierung sei in der Tat unglücklich. Das bedauere er.

In den vergangenen Jahren hat es Sammlungen, Kollekten und viele Aktionen gegeben, um die Jugendarbeit zu finanzieren. Auch die mittlerweile leere Rücklage wurde angezapft.

Quelle: HNA

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