75 Jahre nach Pogromnacht: Verein plant Begegnungszentrum

Schwalm-Eder. 75 Jahre nach der Zerstörung vieler Synagogen während der Pogrome am 8./9. November 1938 und dem Beginn der Vertreibung und Vernichtung der europäischen Juden gibt es im Schwalm-Eder-Kreis den Plan, ein Zentrum für Geschichte und Kultur der Juden in Nordhessen entstehen zu lassen.

Das Projekt soll in der ehemaligen Synagoge in Felsberg realisiert werden. Ein eigens dafür gegründeter Verein will das leerstehende Gebäude erwerben, sanieren und nutzen, sowohl für eine aktive jüdische Gemeinde als auch als Kultur- und Begegnungsstätte. „Wir ziehen damit auch Schlüsse aus der Geschichte“, sagt Christopher Willing, der die Rettung und erneute Nutzung der Felsberger Synagoge betreibt.

Ihm sei die umfassende Information über die mehr als 900-jährige Geschichte der Juden in der Region wichtig, betont Willing, der zur Jüdischen Liberalen Gemeinde Nordhessen, Emet weSchalom, gehört. „Das Judentum soll wieder selbstverständlicher Teil des Alltags in Nordhessen werden“, sagt Willing. Inzwischen lebten etwa 1000 Menschen jüdischen Glaubens in der Region und seien in zwei Gemeinden in Kassel und Felsberg organisiert. Es sei Wunsch der Liberalen Gemeinde, Brücken zu bauen und Tabuthemen zu brechen.

Das geplante Zentrum in Felsberg soll der jüdischen Gemeinde zukünftig auch als Gemeinderaum für Gottesdienste dienen, aber vor allem die jüdische Geschichte als Teil der deutschen Geschichte erlebbar machen – durch Konzerte, Theater, Veranstaltungen und auch Lerngottesdienste, wie sie jetzt schon angeboten werden. Außerdem gebe es eine Vielzahl von unbekannten Schätzen aus der jüdischen Vergangenheit zu heben, die in der Region noch ein Schattendasein führten. Für all das sucht der Verein noch Mitstreiter.

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Quelle: HNA

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