20 Jahre Stadtführergilde Fritzlar: Beste Unterhaltung mit dem Henker

Auch wenn dieser Zeitgenosse auf den ersten Blick nicht zutraulich wirkt: Die Führungen mit Axel Kirchner als Radolf, der Henker von Fritzlar, sind sehr gefragt. Viele Finanzbeamte und Polizisten lassen sich von ihm die Stadt zeigen. Archivfoto: Zerhau

Fritzlar. Seit 20 Jahren gibt es in Fritzlar die Stadtführergilde. Sie ist ein Erfolgsmodell: 20.000 Besucher folgen den Stadtführern inzwischen pro Jahr.

Die beliebteste Stadtführung ist auch die schaurigste: Wenn der Henker durch Fritzlar zieht, wollen viele dabei sein: Finanzbeamte, Polizisten, Ermittler des Landes- und des Bundeskriminalamtes. „Unser Publikum ist sehr speziell“, sagt Manfred Ochs und lacht. Der Vorsitzende der Stadtführergilde Fritzlar erinnert sich noch genau an seine Vorbehalte. Von einer Henkerstour durch die Dom- und Kaiserstadt wollte er zunächst nichts wissen. Ochs war skeptisch, er hielt das Thema für zu kritisch. Inzwischen sind die Zweifel verflogen. „Wir erschließen und damit neue Publikumsschichten“, erklärt Ochs.

Dabei hat 1996 alles klein angefangen. Ochs erinnert sich noch genau an die Schlagzeile in der HNA am 12. April: „Pro Fritzlar macht ernst. Montag geht es los“. In der Zeitung hatte der Verein einen Aufruf gestartet und Stadtführer gesucht. 15 Fritzlarer hatten sich gemeldet, sie wollten die Dom- und Kaiserstadt repräsentieren. An fünf Abenden gab es einen Schnellkurs zu Stadtgeschichte und Stilkunde. Dann folgte der „Sprung in das eiskalte Wasser“, wie Ochs sagt. Am 21. Mai gab es die erste offene Stadtführung. „Der Kollege stand mit schlotternden Knien vor dem Rathaus und wartete auf das, was kommt“, erinnert sich Ochs.

1000 Gäste zählte die Stadtführergilde im ersten Jahr. Seitdem ist die Zahl der Besucher stetig gewachsen. Im Bonifatiusjahr 2004 waren es erstmals mehr als 5000, inzwischen betreuen die Gästeführer mehr als 20 000 Besucher im Jahr. Zu Spitzenzeiten laufen auch schon mal 14 oder 16 Führungen gleichzeitig. Die enge Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und Reiserveranstaltern trage Früchte. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg: Die Führungen haben sich verändert. Es geht inzwischen um weit mehr als um Zahlen, Daten und Fakten. Es geht um Unterhaltung im besten Sinne. So sei es zu den szenischen Führungen wie mit dem Henker gekommen. Dabei konnten Ochs und seine Gästeführerkollegen den Verkleidungen am Anfang nichts abgewinnen. „Wenn wir das woanders gesehen haben, hatte es immer etwas Operettenhaftes“, sagt er. Doch die Gäste sehnten sich danach. Und mit einem oberlehrerhaften Vortrag ließen sich die Teilnehmer sicher nicht begeistern. „Da schlafen ihnen die Besucher bei ein.“

Neue Führungen im neuen Jahr

Die Stadtführergilde bietet ab dem 1. März jeden Tag eine offene Führung an. Neu ist der Termin am Montag. Treffen ist dann um 10.30 Uhr vor dem Rathaus.

Darüber hinaus gibt es mehrere neue Themenführungen. Im Lutherjahr geht es um Reformation und Gegenreformation und ihre Spuren in der Stadt. Eine weitere Führung dreht sich um die Geschichte des Fritzlarer Textilgewerbes. Auch die Brunnen und Quellen in Fritzlar werden ein Thema sein. (akl)

Quelle: HNA

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