Zum Jägerheim in Wasenberg: Wirtsleute des 165 Jahre alten Gasthauses ziehen sich zurück

Das gibt´s nur im Dorfgasthaus: Im Jägerheim kamen Jung und Alt, Männer und Frauen, Akademiker und Arbeiter – eine bunte Mischung aus allen Generationen und sozialen Schichten – zusammen. Das Foto entstand vermutlich in den 1940er-Jahren. Fotos: 2 privat, 1Grede

Wasenberg. Beim Blättern durch das Fotoalbum der Kaltschnees wird klar: Ihr Gasthaus Zum Jägerheim steht für ein Stück Wasenberger Zeitgeschichte.

Mehr als 165 Jahre war das Lokal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und zur Alten Schule der Treffpunkt. Über Jahrzehnte seien Freud und Leid in der Gaststube und in dem großen Saal gefeiert worden, erzählen die Wirtsleute Marlene (65) und Horst Kaltschnee (72).

In der Form, wie es die Wasenberger und viele andere Menschen in der Region kennen, wird es das Gasthaus nicht mehr geben. Aus gesundheitlichen Gründen zieht sich das Ehepaar teilweise zurück. Der Schank- und Küchenbetrieb sind eingestellt worden. Saal und Clubraum können noch auf Anfrage genutzt werden. Auch das Gästehaus und der Getränkevertrieb gehen weiter.

Kein einfacher Schritt für das Ehepaar Kaltschnee: Zwar hatten sie sich schon eine Weile mit dem Gedanken beschäftigt, aber krankheitsbedingt waren beide in den vergangenen Monaten nur eingeschränkt im Einsatz gewesen. Bewährt habe sich in dieser Zeit, dass ihnen nicht nur Kunden und Lieferanten die Treue hielten, sondern auch die Mitarbeiter und Freunde, erzählt Marlene Kaltschnee dankbar. Sie hätten dafür gesorgt, dass das Gasthaus bis zu dem Tag, an dem die 65-Jährige zum letzten Mal nach dem Betrieb die Gaststube abschloss, reibungslos lief.

31 Jahre in der Gaststube: Marlene und Horst Kaltschnee ziehen sich aus dem Gaststättenbetrieb zurück, ihre Räumlichkeiten können genutzt werden.

Seit 1985 führten Marlene und Horst Kaltschnee das Lokal. Sie erweiterten und nahmen Umbauten vor. Die Seele des Lokals war die Gastwirtin. Obwohl sie eine Verwaltungsausbildung genossen hatte, übernahm sie das Zepter in der Küche. Schnell wurden ihre Gerichte auch über die Region hinaus bekannt. Unvergessen sind für viele nicht nur die Karnevalsveranstaltungen im Jägerheim, sondern auch die Silvesterabende, die jedes Jahr unter einem anderen Motto standen, erzählt das Ehepaar. Insbesondere viele Treysaer unternahmen Jahresabschlusswanderungen mit dem Wasenberger Gasthaus als Ziel.

Während Marlene Kaltschnee als geborene Heinmöller in den elterlichen Betrieb hineingewachsen ist, könnte man ihren Mann als eine Art Quereinsteiger bezeichnen. „Ich bin hier hin geheiratet worden“, scherzt der 72-Jährige, der bis zu seinem Ruhestand tagsüber in einem Möbelgeschäft gearbeitet hatte, abends die Jacke tauschte und als Gastwirt am Leben seiner Gäste teilnahm. Auch wenn ein 16-Stunden-Arbeitstag die Regel war, sagt er rückblickend, „ich habe es gerne gemacht“.

Die Familie Heinmöller in den 1920er-Jahren, der Junge auf dem Foto ist Heinrich Heinmöller.

Kellner Peter ist legendär 

Nahe geht es den beiden, wenn sie von ihrem Personal sprechen - eigentlich eher der Freundeskreis, meinen sie. Viele sind über Jahrzehnte bei ihnen geblieben. „Sie waren immer da, wenn sie gebraucht wurden“, erzählen die Wirtsleute. Fast legendär war der Kellner Peter. Hochqualifiziert, ausgebildet im Servicebereich, sei der gewesen, meint Horst Kaltschnee. Ein großes Hallo habe es gegeben, wenn er auftauchte - immer ganz vornehm mit Fliege und Tuchserviette über dem Arm.

Mit ihrem Schritt in den Ruhestand wird sich das Leben der Kaltschnees verändern. An den Vier-Platten-Herd im Wohnhaus muss sich die Gastwirtin erst noch gewöhnen, ebenso wie an die kleineren Portionen, die sie nun kocht. Auch können sie jetzt erstmals privat Feiern besuchen - und richtig Weihnachten feiern.

Quelle: HNA

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