Jausenstation in Schiffelborn droht das Aus: Betreiberin hört auf

Zünftig Kaffee trinken und Kuchen essen: Damit das auch im nächsten Jahr in der Jausenstation in Oberurff-Schiffelborn möglich ist, suchen (von links) Bürgermeister Michael Köhler, Theodor Binder, Hans-Wernher von Löwenstein, Betreiberin Helga Jaklin, Jens Sonntag, Karl-Wilhelm Losekamp, Stefan Magerkurth und Annette Sonntag einen neuen Betreiber. Foto: Laumann

Oberurff-Schiffelborn. Sie ist ein Ziel für Wanderer und Radfahrer, Treffpunkt für die Schiffelborner und für Hans-Wernher von Löwenstein nicht weniger als „ein Paradies": die Jausenstation an der Ruine Löwenstein. Doch dieses Paradies ist gefährdet.

Ende des Jahres hört Betreiberin Helga Jaklin auf. Wenn sich kein Nachfolger findet, droht der Jausenstation das Aus.

„Wenn das Wetter schön ist, werden wir beinahe überrannt.“

Seit acht Jahren betreibt die 59-jährige Jaklin das kleine Haus. Sie erinnert sich gerne an den Start am 1. Mai 2008. „Damals waren 600 Leute da“, sagt sie. Mit der Zeit macht sich Jaklin mit Himbeertorte, Käsebrot und Gulasch einen Namen. Werbung schaltet sie keine. Alles läuft über Empfehlungen. „Wer einmal hier war, kommt wieder“, erklärt Jaklin. Sie freut sich über Stammgäste, die auch schon mal aus Bad Wildungen, Niedenstein, dem Knüll und Marburg anreisen, um bei ihr zu essen. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, betont Jausen-Eigentümer Hans-Wernher von Löwenstein.

Treffpunkt für den Ort

Für Oberurff-Schiffelborn hat die Jausenstation eine große Bedeutung. „Es ist die einzige Gaststätte, die wir im Ort noch haben“, erklärt der ehemalige Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Losekamp. Jeden Sonntag machten sich vor allem die älteren Schiffelborner auf den Weg zur Ruine. Die Jausenstation ist Sommer wie Winter geöffnet. „Wenn das Wetter schön ist, werden wir beinahe überrannt“, sagt Jaklin und lacht. Dann hilft die ganze Familie mit.

Wenn Jaklin von den vielen Jahren mit der Jausenstation erzählt, wird klar, wie schwer ihr der Abschied fällt. „Ich habe lange überlegt“, erklärt die 59-Jährige . Sie gehe Ende des Jahres mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich habe es immer sehr gerne macht“, beteuert Jaklin. Künftig wolle sie sich allerdings mehr um ihre Familie kümmern.

Voller Einsatz bis zum Ende

Einem Nachfolger möchte sie eine gut geführte Jausenstation übergeben. Das bedeute voller Einsatz bis zum Schluss und darüber hinaus. „Alles andere wäre nicht ich“, erklärt Jaklin und kündigt an: „Wenn der Nachfolger im Not ist, helfe ich.“ • Öffungszeiten: Die Jausenstation ist samstags von 12 bis 18 Uhr, sonntags zwischen 11 und 18 Uhr sowie an Feiertagen geöffnet. • Kontakt: Informationen zur Station gibt es bei Jens Sonntag (Zweiter Vorsitzender der Freunde der Burg Löwenstein) unter Tel. 0173 / 77 49 908.

Schmuckstück statt Schandfleck

Aus einem Repticher Schandfleck wurde ein Schiffelborner Schmuckstück: Für die Jausenstation wurde ein Fachwerkhaus in Reptich abgerissen und am Fuße des Turms in Schiffelborn neu aufgebaut.

Das hat damals 276 000 Euro gekostet. Die Gemeinde Bad Zwesten hat davon 45 000 Euro übernommen, der Rest der Summe kam durch EU, Bund und Land zusammen.

Zuvor hatte es im Bad Zwestener Parlament Diskussionen über die Einkehrmöglichkeit gegeben. „Es gab Gegenwind“, sagt Hans-Wernher von Löwenstein. Er freut sich, dass inzwischen auch jene Leute die Einkehrmöglichkeit am Fuße des Turms schätzten, die zuvor gegen die Planung waren.

Quelle: HNA

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