Lieder zur Nacht: Anke Jochmaring, Marc Brenken und Alex Morsey im Hospital

Jazz in neuen Variationen

Vertonte Sehnsucht vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart: Kontrabassist Alex Morsey, Pianist Marc Brenken und Sängerin Anke Jochmaring eröffneten am Samstag die Konzertreihe „Neues in alten Räumen“. Foto: Rose

Treysa. Neues in alten Räumen – die Konzertreihe von Stefan Reitz und Freunden lockt im mittlerweile fünften Jahr zu neuen Klängen in die Hospitalskapelle in Treysa. Am Samstag eröffneten Sängerin Anke Jochmaring, Pianist Marc Brenken und Kontrabassist Alex Morsey die Serie von insgesamt vier Konzerten in diesem Jahr. Mit ihrem Programm „Lieder zur Nacht“ vertonten sie Sehnsüchte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Ungewöhnlich – und deshalb eben nicht gewöhnlich: So beschrieb Veranstalter Stefan Reitz die Musik des Trios.

Die Zuhörer erlebten mit der Combo aus dem Ruhrgebiet Überraschendes, Erfrischendes und bisweilen Groteskes. Im Mittelpunkt standen Improvisationen, die natürlich und ungekünstelt daher kamen ohne den hohen künstlerischen Anspruch zu vernachlässigen. Mit „You and the night and the music“ vertonte das Trio ein Stück aus dem American Song Book aus den 1930er-Jahren. Anke Jochmarings einfühlsame, aber gleichwohl fordernde Stimme, hauchte dem Text Leben ein.

Spiel mit Worten und Silben

Dazu gesellte sich das groovende Spiel von Kontrabass und Klavier. Marc Brenken spielte mit völliger Selbstverständlichkeit nicht nur auf den Tasten, sondern entlockte den Saiten und dem Korpus des Flügels fantastische Klänge. Ebenso unkonventionell spielte Jochmaring mit Worten und Silben. Einzelne Fragmente fügte die Künstlerin zu kunstvollen Versatzstücken zusammen – abenteuerlich, aber sehr amüsant. In Brenkens Eigenkomposition „The moon, the sky“ brillierte zunächst Alex Morsey, der als Kontrabassist alles andere als im Schatten seiner Künstlerkollegen stand. Mit seiner rauchigen Stimme groovte er sich in bizarre Stimmlagen. Dass sich Musik aus dem 16. Jahrhundert wunderbar in Jazz adaptieren lässt, bewiesen die Drei mit „Mein Feinsliebchen von Flandern“ – ein Lied voller Wehmut und Wankelmut, wunderbar interpretiert von Anke Jochmarings wandlungsfähiger Stimme. Überraschend vertont wurde von den Dreien auch das Volkslied „Guter Mond, du gehst so stille“, das einst in zwei unterschiedlichen Fassungen Verbreitung fand: als Liebeslied und als Abendlied. Die sentimentale Liebesklage wurde im späten 18. Jahrhundert von unbekannter Hand geschaffen und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem durch Liedflugschriften verbreitet.

Megaphon und Xylophon

Aus dem Hut beziehungsweise ihrem Koffer zauberte Anke Jochmaring immer wieder erstaunliche Instrumente: Mit Megaphon, Xylophon und Rasseln persiflierte sie gekonnt, ohne den Bogen ins irrwitzige zu überspannen. Das Publikum war nach gut zwei Stunden vollends begeistert und erklatschte sich mit minutenlangem Applaus eine Zugabe: Mit einer jazzigen Version des Kinderliedes „Ich geh mit meiner Laterne“ verabschiedeten sich die drei Künstler aus der Schwalm – hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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