Zum Tag des Denkmals: Historische Stadtexkursion führte durch Treysas Altstadt

Jeder Tag war Markttag

Stadtführung durch Treysa: Zum Tag des Denkmals führte Inge Schneider-Scholz die Gäste sachkundig durch die Altstadt. Fotos: Haaß

Treysa. Dass ein unscheinbarer Haken an einer Hauswand in der Johannisgasse eine interessante Geschichte zu erzählen hat, konnten Teilnehmer einer historischen Stadtexkursion am Sonntagnachmittag in Treysas Altstadt erfahren. Der Haken an der Wand sei ein ehemaliger Schlachterhaken, erklärte Stadtführerin Inge Schneider-Scholz: „Dort haben die Metzger die Schweinehälften nach dem Schlachten aufgehängt.“

Rund 20 Geschichtsinteressierte nutzten den „Tag des offenen Denkmals“ für eine Reise in Treysas Vergangenheit. Das Motto des bundesweiten Aktionstags in diesem Jahr lautete „Handwerk, Technik, Industrie“.

Der Stadtgeschichtliche Arbeitskreis Treysa hatte aus dem weiten Themenfeld des Aktionstages das Handwerk aufgegriffen und bot eine knapp zweistündige Stadtführung durch Treysas Altstadt an. Im Mittelpunkt der diesjährigen stadtgeschichtlichen Wanderung stand das Bäcker- und Metzgerhandwerk. „Metzger und Bäcker haben immer eine wichtige Rolle im Leben der Stadt gespielt“, sagte Inge Schneider-Scholz.

Zur Einleitung des interessanten Nachmittags erzählte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Bernd Raubert, den Teilnehmern zunächst etwas über die Entstehung und Organisation des städtischen Handwerks.

So seien alle Handwerksberufe vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in Zünften organisiert gewesen. In Treysa habe es laut den „Ziegenhainer Saalbücher“ über Jahrhunderte acht Zünfte gegeben: Die Hansegreben (Kaufleute), die Bäcker, die Leinweber, die Schuhmacher, die Schneider, die Lohgerber, die Schmiede und die Metzger.

Handwerksbetriebe hautnah

Bernd Raubert wusste weiter zu berichten, dass um 1755 allein in Treysa 23 Bäcker und 16 Metzger ihrer Arbeit nachgingen, welche ihre Produkte unter anderem auch im Rathaus feilboten: „Da war im Prinzip jeden Tag Markttag.“

Statt vermeintlich trockener Geschichtsfakten führten die Mitglieder des Arbeitskreises die Teilnehmer der Führung zu Handwerksbetrieben in der Altstadt.

Aus erster Hand erzählten Jörg Möller und Jörn Becker über die Besonderheiten eines Handwerksbetrieb im städtischen Umfeld. Die Bäckerei Möller gehört zu den alteingesessenen Unternehmen in Treysa. Allein drei Millionen Brötchen werden hier jährlich hergestellt. Der Betrieb sei mittlerweile in der 18. Generation, erzählte Bäckermeister Möller: „Wir verbinden Traditionelles mit dem Modernen.“

Jörn Becker, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei, berichtete von der rasanten Entwicklung seiner Metzegerei in den vergangenen Jahrzehnten. Ansprüche der Kunden aber auch Vorschriften seien ständig im Wandel und der Familienbetrieb habe sich trotz der beengten Platzverhältnisse stetig weiterentwickeln müssen.

„Immer wo ein Stückchen frei war, haben wir ein Kühlhaus reingemacht“, sagte der Metzgermeister schmunzelnd.

Dass mitten in der Stadt Qualitätsprodukte hergestellt werden können, bewiesen beide Betriebe: Das lecker Möllerbrötchen und die Rote Wurst der Metzgerei Becker schmeckte den Teilnehmern der Stadtführung sichtlich.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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