Der Auftakt unserer Serie „Gespräche am Gartenzaun“ führte uns nach Allmuthshausen und Rückersfeld

Jeder Name eine Geschichte

Buntes Dorfleben: (von links) Friedgunde Amft, Teja Habbishaw, Gerhard Barton und Karl-Heinz Almeroth sowie Käthe Lepper mit Enkelin Julia Otto. Foto: Yüce

Allmuthshausen/Rückersfeld. Junge Familien fühlen sich wohl in Allmuthshausen und Rückersfeld. Kein Wunder, dass es in den Dörfern besonders viele Babys gibt. Ortsvorsteher Gerhard Barton zählt kurz nach und kommt auf 40 noch nicht konfirmierte Kinder. Fast alles Jungen. Auch viele Senioren leben in den Homberger Stadtteilen. „Wir haben nur einen Leerstand und dafür gibt es einen Interessenten“, sagt Barton. Das klingt so, als sei es ganz selbstverständlich. Ist es nicht. Eigentlich.

„Wir halten alle zusammen.“

Gerhard Barton

Die Allmuthshäuser und die Rückersfelder leben gern in ihrem Dorf. „Weil es hier einen guten Zusammenhalt gibt“, sagen die 89-jährige Katharina Weber und ihre Schwiegertochter Christa. Beide sind gerade dabei, Unkraut zwischen Pflastersteinen zu entfernen. Das gehört dazu, damit man sich im Dorf wohlfühlt – gepflegte Höfe. „Es ist schön hier“, sagt Christa Weber.

Darauf ist der Ortsvorsteher ein wenig stolz, er hat viele Jahre als Gärtnermeister für die Stadt Homberg gearbeitet. Ihm liegen Grünanlagen einfach am Herzen.

Bei einem Spaziergang durch die Dörfer trifft man immer wieder auf Menschen, die ihre Spuren hinterlassen haben. „Weil sich die Menschen mit ihrem Heimatort identifizieren“, sagt Barton. Da gibt es zum Beispiel den alten Schreiner Karl-Heinz Almeroth, der einst die Kirchenbänke baute und heute mit 80 Jahren noch immer Kleinigkeiten für das Dorf herstellt. „Das ist doch Ehrensache“, sagt er.

Der Mann mit dem Ferrari

Und da ist Fred Städtler, der sich vor zwei Jahren einen Traum erfüllte und jetzt einen Ferrari 348 GTS hat. Ihn selten fährt, aber oft poliert, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Da ist Schlosser Norbert Nickel, von dem das Friedhofstor in Allmuthshausen ist. Dafür hat das Dorf gespart. „Wenn wir Geld für etwas im Dorf brauchen, dann feiern wir ein Backhausfest“, sagt Barton und lacht. Das sei eines der Geheimrezepte der beiden Orte mit ihren 320 Einwohnern.

Allmuthshausen liegt am Elisabeth-Pfad. Jeden zweiten Tag kommen Pilger aus ganz Deutschland in das Dorf. Zur Toilette dürfen sie bei Käthe und Herbert Bickel gehen. Sie wohnen gegenüber der Kirche. „Pilger haben keine Zeit“, sagt Käthe Bickel und schüttelt ungläubig den Kopf.

Auf ihrer Gartenbank gönnt sich die 73-jährige Friedgunde Amft eine Auszeit und krault Kater Kalle. Vor 13 Jahren hat sie die Parkinson-Selbsthilfegruppe gegründet. Vor zwei Jahren gab es dafür eine Auszeichnung vom Bundespräsidenten. In der Teppichmanufaktur Habbishaw, werden von Rückersfeld aus Spezialanfertigungen in die Welt verschickt. Junior-Chef Teja Habbishaw wird das Unternehmen bald leiten. Und Käthe Lepper ist die Frau vom letzten Bürgermeister von Rückersfeld – hinter jedem Namen steckt eine Geschichte.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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