Ursache für Entwicklungsstörungen: Zu viel Fernsehkonsum

Jedes zweite Schulkind geht zur Therapie

Schwalm-Eder. Immer mehr Schulkinder brauchen heiltherapeutische Hilfe. Inzwischen hat jedes zweite Schulkind in Hessen schon mindestens eine Therapie - Sprach-, Ergo-, Psychotherapie oder Krankengymnastik - gemacht. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK).

Der Therapiebedarf steigt mit dem Fernsehkonsum: Die Umfrage ergab, dass Kinder, die täglich mehr als zwei Stunden fernsehen, häufiger zu Therapeuten geschickt werden als Schüler mit geringerem TV-Konsum.

Diesen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Therapiebedarf hält der Melsunger Kinderarzt Dr. Hans-Georg Zöberlein nicht für zwingend. Zwar seien mehr als zwei Stunden fernsehen zu lang – man müsse aber auch schauen, was die Kinder sonst noch unternähmen. In den vergangenen Jahrzehnten sei etliches überdiagnostiziert worden. Es komme aber auch darauf an, Unterschiede in der Entwicklung anzuerkennen und sie auch mal abzuwarten.

„Fernseher, Computer und Playstation sind für Kinder kein Gegenüber. Sie lernen dadurch ihre Umwelt nicht kennen“, sagt Sprachtherapeutin Kirsten Hahn aus Fritzlar. Sie gehört dem Vorstand des hessischen Logopäden-Verbands an. Nach ihrer Erfahrung nehmen viele Kinder gleich mehrere Therapien in Anspruch. Hahn stellt aber auch fest, dass Eltern heute besser informiert sind. Sie wendeten sich bei Problemen eher an Fachleute als früher. Eine Beobachtung, die auch Menekse Gün, Kinder-Psychotherapeutin am Medikum in Kassel, macht. Auffällig sei, dass - anders als früher - immer öfter auch türkische Migranten professionelle Hilfe holten, wenn ihre Kinder Probleme haben.

In der Zeit von Januar bis März 2010 ist von hessischen Kinderärzten 6763-mal Physiotherapie verordnet worden, 9091-mal Bewegungstherapie und 10 136-mal Sprachtherapie. „Diese Zahlen steigen an“, sagt TK-Sprecherin Rita Ostrowski. (lgr/chr)

Kreis untersuchte 1650 Kinder

Steigt der Therapiebedarf mit dem Fernsehkonsum? Diese Frage kann der Schulärztliche Dienst bei der Kreisverwaltung in Homberg aufgrund fehlender Daten für den Schwalm-Eder-Kreis nicht beantworten. Stattdessen verweist Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri auf die Untersuchungsergebnisse aller schulpflichtigen Kinder in Schwalm Eder.

Danach wurden in diesem Jahr 1650 Kinder nach einem hessenweit einheitlichen Verfahren untersucht. Ein Ergebnis dabei: 10,6 Prozent hatten eine Ergotherapie und 12,5 Prozent eine Logotherapie. Im Vergleich zu den Vorjahren waren die Zahlen bei der Ergotherapie stabil und die bei der Logotherapie etwas rückläufig. (lgr)

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Quelle: HNA

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