Bei Anruf Abzocke: Jesberger Rentner wird täglich mehrfach belästigt

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Bei Anruf Angst: Oskar Groß (rechts) notiert nach jedem Telefonat die Nummer. Die Rufnummer der Telefonabzocker leitet Wolfgang Badenhausen an die Bundesnetzagentur weiter.

Jesberg. Und wieder schrillt das Telefon: Oskar Groß wird hektisch, nimmt den Hörer in die Hand, liest die Nummer auf dem Anzeigefeld und lässt gleich drauf den Hörer wie eine heiße Kartoffel auf den Wohnzimmertisch plumpsen. Wieder schrillt es.

Jetzt nimmt sich Oskar Groß zusammen, mit zittriger Schrift notiert er eine Nummer auf einem Zettel, der schon parat liegt. Eine von vielen langen Telefonnummern, die er seit August fein säuberlich notiert hat. Genau dreimal schrillt der Ton durch das Wohnzimmer des 82-Jährigen. Er hebt nicht ab.

Etwa acht- bis zehnmal am Tag geht das so. Für Oskar Groß ist das mit den Anrufen längst zu viel geworden. „Wieder ein Anruf von denen. Ich kann nicht mehr, bin fix und fertig“, sagt er. Seine Augen und seine Stimme wirken gehetzt.

Im August fing der Telefonterror an. Mit einem Schreiben des Kundenservices Vorteilschance Platin. Mit einem monatlichen Anteil von 69,90 Euro könne er 99 Anteile an der am Lotto angelehnten Vorteilsgesellschaft erwerben, heißt es in einem Schreiben. Der Beitrag dafür werde künftig von seinem Konto abgebucht, die Buchungserlaubnis habe er erteilt. Doch genau daran kann sich Oskar Groß nicht erinnern. „Mit hat die Sparkasse geholfen. Sie haben mein Konto für diese Abbuchung gesperrt und einen Widerspruch geschrieben“, sagt Groß.

Doch schon kurz darauf beginnt sein Telefon täglich mehrfach zu klingeln. Immer neue Telefonnummern, immer neue Anbieter von Glücksspielen und Aktionen. Ab diesem Tag steht sein Telefon nicht mehr still. Das wundert Verbraucherschützerin Eva Raabe nicht: „Wir haben den Eindruck, dass solche Anbieter gezielt alte Menschen ansprechen.“ Denn die seien schneller zu verunsichern und rückten ihre Kontodaten schneller raus. „Telefonwerbung ist verboten“, sagt Raabe, doch schrecke das nicht ab. „Wir bekommen täglich mehrere Anrufe von Betroffenen“, erklärt sie.

Auch Oskar Groß hat sich schon an die Verbraucherberatung gewandt. Und er hat den Rat der Verbraucherschützer sowie seines guten Freundes Wolfgang Badenhausen beherzigt und schreibt täglich die Nummern der Anrufer auf. Diese Nummern schickt Badenhausen dann für ihn an die Bundesnetzagentur. „Das sind die richtigen Ansprechpartner“, sagt Rabe. Denn nur die Bundesnetzagentur könne gegen die Anrufer vorgehen und sogar Nummern sperren lassen. Badenhausen schreibt auch immer wieder Widerrufe im Namen von Oskar Groß an die vemeintlichen Glücks-Anbieter.

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Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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