Die Jeschkes in Altenhasungen versorgen ihr Haus seit kurzem mit eigenem Strom

Grüner Zwerg im Wind

Kaum hörbar: Henning Jeschke vor dem neuen Windrad neben seinem Haus im Wolfhager Stadtteil Altenhasungen. Das Gerät surrt im Betrieb leise, im Haus selbst hört man auch bei größeren Windstärken nichts. Foto:  Norbert Müller

Altenhasungen. Der grüne Zwerg scheint die kühle Brise zu genießen: Er schnurrt dezent vor sich hin, nach Süden gerichtet.

Und wenn da weit hinten, hinter Feldern und Wiesen, sich nicht der Isthaberg so auftürmen würde, hätte er Sicht auf seine riesigen Verwandten, die weit über 100 Meter hohen Windkraftanlagen im Dreiländereck zwischen Istha, Balhorn und Altenstädt.

Der agile Grünling steht seit vier Wochen neben dem Haus von Marion und Henning Jeschke in Altenhasungen.

Und dass sich die Jeschkes für ihn entschieden haben, dass, sagt Marion Jeschke, habe man noch nicht einen Tag bereut. Im Gegenteil. Immer wenn sie ihn sehe, wie er so quirlig mit dem Wind spielt, freue sie sich.

Jeschkes Neuzugang ist ein kompaktes Windrad, die Nabe in gerade Mal zwölf Metern Höhe. Seine drei Rotorblätter, jedes nicht ganz 3,50 Meter lang, ziehen unermüdlich ihre Bahnen im Wind am Forthfeld, dort, wo die Jeschkes vor drei Jahre neu bauten.

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Das schöne Fachwerkgehöft im Dorf war für die Jeschkes und ihre Imkerei zu klein geworden. So suchten sie sich einen passen Platz für einen angemessenen Imkerhof und fanden ihn am Hang ganz in der Nähe des Sportplatzes. „Da fiel mir gleich auf, dass es hier recht windig ist“, erinnert sich Bio-Imker Henning Jeschke. Ließ sich da vielleicht etwas in Sachen Windkraft machen? Die Imkerei, die Geräte im Erdgeschoss benötigen einiges an Energie. Der Gedanke, sich mit einer kompakten Anlage unabhängig machen zu können, hatte seinen Reiz.

Also machte sich Henning Jeschke daran, das Windaufkommen auf dem Grundstück zu messen. Er installierte eine kleine Wetterstation und begann mit den Messungen. Nach zwei Jahren waren sich Marion und Henning Jeschke sicher: Der Wind streicht in ausreichender Menge über ihren Hof.

Man machte sich auf die Suche nach einer passenden, leistungsfähigen Windmühle. Die sollte ausreichend Strom produzieren und - ganz wichtig - leise arbeiten.

Man wurde fündig. Auf einer Messe für kleine Windkraftanlagen in Husum traf man einen Hersteller aus Celle, dessen Betrieb auf dem Rückweg in die Heimat besucht wurde. Da sahen die Jeschkes den grünen Stromerzeuger zum ersten Mal und entschieden sich nach der Hörprobe für das Produkt aus Niedersachsen.

40.000 Euro Kosten

Nachdem die Baugenehmigung erteilt war, wurde 15 Meter neben dem Wohnhaus von einer einheimischen Baufirma das Fundament gegossen, ehe im Dezember dann die Windmühle installiert wurde. 40.000 Euro ließen sich die Jeschkes ihr kleines Kraftwerk kosten. Und seitdem produziert das Gerät Tag für Tag Strom, den Marion und Henning Jeschke in Haus und Hof selbst verbrauchen. Ins Netz wird von ihrem Strom nichts eingespeist.

Es ist ein gutes Gefühl, selbst den Strom zu produzieren. Wir verbrauchen den eigenen Strom mit gutem Gewissen“, sagt Henning Jeschke. „Jede Kilowattstunde, die wir hier erzeugen, erspart uns 27 Cent.“

Blick auf den Zähler

Der Blick auf den Zähler im Untergeschoss, der sowohl die aktuelle Windgeschwindigkeit als auch die gerade erbrachte Leistung anzeigt, sorgt meist für ein Lächeln im Gesicht von Henning Jeschke. Vier Meter pro Sekunde weht der Wind gerade laut Anzeige, das bringt 1,4 Kilowatt. Das Haus mit Imkerei hat einen Jahresbedarf von 8000 Kilowattstunden, erklärt Jeschke. 6000 Kilowattstunden wird der agile grüne Energiespender wohl liefern, schätzt er, vermutlich sogar mehr. Im kommenden Dezember weiß man es genau.

Bis dahin, sagt Henning Jeschke, wird es vermutlich auch den einen oder anderen Nachahmer geben. Derzeit sei man mit dem kleinen Stromerzeuger noch allein auf weiter Flur, in der Region sicher einzig, vielleicht sogar in ganz Hessen.

Aber das Interesse an der Anlage sei groß. Von Spaziergängern werde er oft angesprochen. Es gab auch schon die ersten, die gezielt nach dem Hof der Jeschkes suchten, um sich die Anlage anzusehen. Gut so, finden die Jeschkes, die für Heizung und Warmwasserbereitung auf ihrem Rasendach eine solarthermischen Anlage installiert haben und in der Wohnung neben einer kleinen Gasanlage noch einen gemütlichen Holzofen in Betrieb nehmen können. Marion und Henning Jeschke sind überzeugte Anhänger einer dezentralen Energieversorgung, träumen davon, mit ihren Haus völlig autark zu sein.

Von der großen Verwandtschaft ihres kleinen Stromerzeugers halten sie nicht sehr viel. Imker Jeschke: „Man sollte so schonend wie möglich mit der Landschaft umgehen und nicht alles dem Geldverdienen mit großen Anlagen unterordnen.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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