DRK Schwalm-Eder kommt mit Therapiehund nach Hephata

Jette bricht Barrieren

Vierbeiniger Besuch: Wenn Jette kommt, freut sich Marcel Köneke auf das gemeinsame Schmusen. Hundeführerin Gisela Steinke (rechts) ist immer dabei. Foto: privat

Treysa. Wenn Jette kommt, freut sich Marcel Köneke. Einmal in der Woche kommt sie für eine halbe Stunde zu Besuch. „Beim ersten Mal ist Marcel vor Freude fast aus dem Rollstuhl gehopst“, sagt Gisela Steinke. Sie und ihre Labradorhündin Jette gehören zum Therapiehundeteam des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Schwalm-Eder.

Marcel Köneke ist 21 Jahre alt und besucht die Tagesförderstätte der Behindertenhilfe Hephata im Haus Sarepta. Er ist geistig und körperlich behindert, fast blind. Marcel spricht eigentlich nicht. Aber wenn Jette kommt, dann gibt er Freudenlaute von sich. Gemeinsam liegen sie dann auf einer Matratze und schmusen.

Jette reagiert gelassen auf Marcels ruckartige Bewegungen. „Jette ist vorurteilsfrei, sie geht immer wieder freudig auf die Menschen zu“, sagt Gisela Steinke, 70, aus Neukirchen. Seit drei Monaten kommen sie und ihre zweieinhalbjährige Hündin ehrenamtlich nach Sarepta.

Besuche sind Höhepunkte

Die Fahrtkosten übernimmt Hephata. Über eine Kollegin erfuhren die Arbeitsgruppenleiterinnen Tina Ruhwedel und Katrin Glänzer von dem Therapiehundeteam. Sie organisierten den Besuch von Jette für die fünf Frauen und Männer, die in Sarepta ihre Arbeitsgruppe besuchen.

Vier von ihnen sind völlig oder fast blind. Jettes Besuche sind immer Höhepunkte im Lebensalltag.

„Es geht darum, die Umwelt als Ganzes zu begreifen. Zu begreifen, dass es nicht nur Menschen, sondern auch Tiere gibt“, sagt Katrin Glänzer. Jette lässt sich streicheln und bürsten, sie holt Bälle und reagiert nicht böse, wenn sie aus Versehen am Schwanz oder Ohr gezogen wird. Das hat sie in ihrer Ausbildung gelernt.

Neben Grundgehorsam waren vor allem Geräuschenempfindlichkeit und Laufen neben Rollator und Rollstuhl wichtige Inhalte. Dazu kommen regelmäßige tierärztliche Untersuchungen. Für ihre Arbeit bekommt Jette von Gisela Steinke Leckerlis und Lob.

Als Jette mit zehn Monaten in die Hundeschule kam, sprach die Ausbilderin Gisela Steinke an, ob sie mit Jette nicht eine weitergehende Ausbildung machen wollte. „Ich bin für Hundesport zu alt, Jette ist keine Draufgängerin, also haben wir uns für das Therapiehundeteam entschieden“, sagt die 70-Jährige.

Neben dem Besuch in Sarepta gehen die beiden einmal in der Woche in ein Altersheim in Neukirchen. Angedacht sind auch Besuche in Kindertagesstätten und Schulen.

„Für mich war die Behindertenhilfe ein völlig fremdes Gebiet“, sagt Gisela Steinke. Auch Dank Jette fand sie schnell einen Zugang: „Als ich gesehen habe, wie sehr sich Marcel freut, war das schon toll.“ (red)

Quelle: HNA

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