Jetzt gibt es Rasenreihengräber auf dem Friedhof in Nausis

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Die Friedhofskultur ändert sich: In Spangenberg-Nausis wird es künftig neben den traditionellen Grabstätten auch Rasenreihengräber ohne Grabstein geben.

Nausis. Die Friedhofskultur wandelt sich rasant. Die Stele, die seit kurzem auf dem Friedhof in Spangenberg-Nausis steht, ist für Pfarrer Michael Schümers ein sichtbarer Beweis dafür: Der behauene Stein ist der markante Mittelpunkt eines Rasenfelds, auf dem ab sofort Gräber angelegt werden können.

Das ist die Konsequenz aus dem Bröckeln der Tradition: Viele ältere Menschen hätten sich in der Vergangenheit große Sorgen gemacht, wer denn nach ihrem Tod die Grabstätte pflegen solle. „Es ist ja längst nicht mehr selbstverständlich, dass auch die Kinder im Ort leben und sich ums Grab der Eltern kümmern“, sagt Pfarrer Michael Schümers aus Landefeld.

„Die Kirche will und muss auf neue Ansprüche und Bedürfnisse der Menschen reagieren.“

Der 42-Jährige nahm diese Sorge der Menschen ernst und berief Versammlungen ein. Er wollte erfahren, wie die Friedhofskultur so gestaltet werden kann, dass sie den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht wird. „Die Kirche will und muss schließlich auf neue Ansprüche und Bedürfnisse der Menschen reagieren“, sagt der Seelsorger.

Die Nausiser Friedhofskommission vor der neuen Stele auf dem Friedhof: von links Reiner Kehl, Ortsvorsteher Werner Kressel, Pfarrer Michael Schümers (kniend), Wilhelm Bernhardt, Horst Blumenstein und Margritt Wilbert.

Das ist nun geschehen: Gemeinsam entschieden sich die Nausiser, die neue Bestattungsform auf dem Friedhof zu integrieren. Die sieht nun so aus, dass ein Sarg oder eine Urne auf dieser Rasenfläche bestattet wird, ohne dass ein Grabstein errichtet oder eine zu pflegende Fläche geschaffen wird. Dennoch bleibt der Verstorbene nicht namenlos: Die Angehörigen können ein frei gestaltbares Namensschild an der Stele anbringen. Die Fläche, in der Sarg oder Urne in der Erde verschwunden ist, wird nicht weiter gekennzeichnet. Den Nausisern sei die Option auf eine mögliche Erdbestattung dort wichtig gewesen, eine Einäscherung komme nicht für jeden in Frage, sagt Schümers.

Das Rasenfeld wird nun fester Bestandteil des Friedhofs im 160-Seelen-Dorf. Der Bereich um die Stele ist gepflastert, wer genau hinsieht, erkennt in ihm Kreuze, die mit dunkelgrauen Steinen gelegt wurden. Der gepflasterte Teil ist dafür gedacht, dass dort nach Beerdigungen Kränze und Blumen abgelegt werden können.

Das Dorf steht dahinter

Das ganze Dorf stehe hinter der Neuerung, berichtet Schümers. Die Einwohner spendeten Geld aus dem Dorfjubiläum und dem Nachbarschaftsfest, das sie feierten, auch die Jagdgenossen gaben Geld für den Kauf der 2000 Euro teuren Stele. Auf ihren vier Seiten ist ein Satz aus dem Buch Hiob zu lesen: „Ich weiß, das mein Erlöser lebt“.

Die Rasenreihengräber sollen die traditionelle Bestattungskultur auf dem Friedhof in Nausis nicht ablösen, im Gegenteil: Sie sollen sie bereichern. Und das bewahren, was den Menschen im Leben und im Tod ausmacht: die Würde.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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