Bienen sind bald auf der Suche nach einer neuen Bleibe

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Keine Weiselzellen in Sicht: Das Volk, das diese Waben gebaut hat, ist derzeit nicht in Schwarmlaune. Nachwuchsimkerin Leontine Schwarz hat keine Weiselzellen gefunden. Fotos: Schilling

Wolfhagen. „Ich hoffe nur, dass mir mein Volk nicht abhaut.“ Leontine Schwarz sitzt derzeit wie auf heißen Kohlen. Alle neun Tage untersucht die Nachwuchsimkerin aus Weningenhasungen in diesen Wochen mit Argusaugen die Waben ihrer Bienenstöcke.

Sie hält Ausschau nach Weiselzellen. Denn in diesen ganz besonderen Zellen wachsen nicht etwa künftige Arbeiterinnen oder Drohnen heran, sondern der königliche Nachwuchs.

Kommt ein Bienenvolk in Schwarmlaune, dann legt es mit den Weiselzellen eine hochherrschaftliche Kinderstube an. Kurz bevor daraus eine neue Regentin schlüpft, verlässt ihre Vorgängerin den Stock und schwärmt mit einem Teil des Volkes aus, um sich eine neue Bleibe zu suchen. „Der Schwarm hängt sich zunächst in der Nähe des Stocks auf. Dann fliegen Kundschafter los und suchen eine neue Unterkunft“, erklärt Hobby-Imker Richard Trutti aus Wolfhagen. Finden diese Bienen eine passende Nistgelegenheit, melden sie das dem Volk mit Hilfe des Schwänzeltanzes, mit dem sie Größe, Lage und Entfernung der möglichen Behausung weitergeben.

Für den Imker ist das Schwärmen der Bienen kein Grund zum Schwärmen, verliert er so doch einen nicht unerheblichen Teil seiner fleißigen Insekten. „Darum kontrollieren wir die Völker regelmäßig“, sagt Leontine Schwarz und fügt erleichtert hinzu: „Hier haben wir heute noch keine Weiselzellen entdeckt.“ Sind doch welche da, so kann der Bienenzüchter sie entweder zerstören, um das Schwärmen zu verhindern. Oder er setzt sie wie Richard Trutti in Ablegerkästen, gemeinsam mit Futterwaben, Brut und einem Teil der Arbeiterinnen - und züchtet sich so ein neues Volk heran.

Aber auch ausgeschwärmte Bienen müssen nicht verloren sein. Trutti hat schon einige Völker wieder eingefangen. „Es kommt vor, dass ich angerufen werde, wenn irgendwo ein Schwarm Bienen hängt.“ Wenn die so genannte Schwarmtraube in erreichbarer Höhe ist, stülpt der Imker von unten einen Schwarmbeutel darüber und schlägt gegen den Ast, an dem die Tiere hängen. Dann fallen die Bienen in den Beutel und können in eine neue Beute (der Kasten, der als Behausung dient) gesetzt werden.

Diese Erfahrung hat Leontine Schwarz noch nicht gemacht. „Einen Bienenschwarm habe ich noch nie gesehen“, sagt die 55-Jährige. Gelernt hat sie indes schon viel in den vergangenen Wochen.

Gemeinsam mit Trutti kümmert sie sich um acht Bienenvölker im Wolfhager Stadtwald und wendet das Gelernte anschließend bei den zwei Bienenvölkern an, die sie in ihrem Garten aufgestellt hat. „Bisher hat alles gut geklappt. Man sieht bei jedem Volk etwas anderes, bei jedem überlegen wir: Was machen wir jetzt. Das ist ja gerade das Spannende“, erzählt sie voller Begeisterung. „Und spannend ist auch, was noch alles vor mir liegt.“ (pmi)

Quelle: HNA

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