Jobcenter im Schwalm-Eder-Kreis beschäftigen nur noch 133 Mitarbeiter

Schwalm-Eder. Die Anrufer im Jobcenter Schwalm-Eder müssen sich auf Neuerungen einstellen: Ab Mittwoch, 1. Juni, fällt das Service-Center weg, in dem bislang sieben Mitarbeiter die Anrufe entgegen nahmen. Es sind nicht die einzigen Stellen, die beim Jobcenter gestrichen wurden.

Statt der bislang 160 sind an den vier Standorten im Landkreis nun nur noch 133 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschäftsführer Hans-Gerhard Gatzweiler bedauert die Streichungen. Denn die, sagt er, seien die unmittelbare Konsequenz aus der Tatsache, dass die Mitarbeiter gute Arbeit leisteten. Der Bund errechne schließlich die Summe, die er den Jobcentern zur Verfügung stellt, nach der Zahl der zu betreuenden Arbeitslosen. Im vergangenen Jahr ging sie im Schwalm-Eder-Kreis deutlich zurück. Deshalb sei das Jobcenter nun auch mit weniger Geld bedacht worden. Diese Logik sei nicht leicht nachzuvollziehen: „Eine Belohnung für erfolgreiche Arbeit aber sieht anders aus“, sagt Hans-Gerhard Gatzweiler. „Wir rationalisieren uns durch unsere gute Leistung anscheinend selber weg.“ Das Jobcenter müsse nun auf die finanziellen Kürzungen reagieren, indem

• das Service-Center aufgelöst, der telefonische Kontakt neu geregelt,

• der Betreuungsschlüssel erhöht,

• die Arbeit der Berufsberaterin eingeschränkt

• weniger Personal für die Vermittlung von schwierigen Fälle bereitgestellt werde.

Und das ist noch nicht alles: Künftig würden wohl noch weniger Mitarbeiter benötigt, die Öffnungszeiten weiter eingeschränkt und vielleicht sogar auch ein oder mehrere der vier Standorte in Melsungen, Homberg, Fritzlar und Schwalmstadt aufgelöst werden. All das stehe irgendwann an, sagt Gatzweiler.

Erste greifbare Veränderung ist die Auflösung des 2005 eingerichteten Service-Centers, einer Unterabteilung des Jobcenters. Dort war es das Ziel der geschulten Mitarbeiter, möglichst viele Anliegen und Anfragen der Anrufer sofort zu erledigen – ohne noch einmal einen Sachbearbeiter hinzuziehen zu müssen. 1500 Menschen riefen im Schnitt in der Woche an, stellten Fragen zur Auszahlung von Geld, zu Kosten für Vorstellung und Bewerbung, zu Weiterbildungen.

„Das Service-Center war nicht etwa ein rumänisches Call-Center, sondern eine kompetente Anlaufstelle, die die Sachbearbeiter entlastet hat“, betont Hans-Gerhard Gatzweiler. Für gerade diese Sachbearbeiter aber werde es nun schwierig, denn auf sie warte künftig mehr Arbeit. Alle Anrufer, die bislang im Service-Center Antworten auf ihre Fragen erhielten, bekommen nun die Durchwahlnummer ihrer Ansprechpartner. „Wir müssen schließlich eine telefonische Erreichbarkeit gewährleisten“, sagt Gatzweiler.

Doch das heißt nicht, dass sofort jemand ans Telefon geht: Jeder Mitarbeiter hat eine Art eigenen Anrufbeantworter, der dafür sorgt, dass die persönlichen Beratungen nicht von ständigem Telefongeklingel unterbrochen würden. Die Mitarbeiter rufen auf die hinterlassenen Nachrichten hin zurück – was aber auch bis zu 48 Stunden dauern kann.

Hans-Gerhard Gatzweiler wirbt um Verständnis. „Wir gehen den neuen Weg absolut nicht freiwillig“, sagt er. Der alte, für ihn zwar inhaltlich sinnvollere, sei aber nicht mehr zu bezahlen gewesen.

Die Jobcenter sind ab sofort unter neuen Nummern erreichbar: • Homberg, Tel. 05681/936710 • Melsungen, Tel. 0 56 61/929110 • Fritzlar, Tel. 0 56 22/98 99 10 • Schwalmstadt, Tel. 0 66 91/80 68 101 Mehr Informationen im Netz unter www.jobcenter-schwalm-eder.de

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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