Zahlte Rechnung für Feier nicht

Zeche geprellt: Prozess in Treysa gegen 51-Jährigen

Treysa. Wegen Betruges musste sich vor Kurzem ein 51-jähriger Mann aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Laut Anklageschrift hatte der Arbeiter im vergangenen Frühjahr in einem Gasthaus im Altkreis Ziegenhain seinen 50. Geburtstag gefeiert ohne die Zeche zu bezahlen. Dem Wirt entstand ein Schaden von rund 1600 Euro. Schon vor dem Fest habe der Angeklagte gewusst, dass seine finanzielle Situation eine Feier eigentlich nicht erlaube, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Die ihm zur Last gelegten Vorwürfe seien Quatsch, erwiderte der Angeklagte: „Ich hatte das Geld und dann kam etwas dazwischen.“ Was genau dazwischen kam, wollte der Mann aber nicht sagen. Im Laufe der Verhandlung kam heraus, dass es finanziell gesehen bei dem 51-Jährigen schon seit Längerem sprichwörtlich an allen Ecken brannte und er bereits zum Tatzeitpunkt lediglich über ein Pfändungsschutzkonto verfügen konnte. Darüber hinaus hatte der Mann bereits sechzehn Vorstrafen auf dem Kerbholz.

Gläubiger wollten Geld sehen

Dem Gericht lagen über dreißig Vollstreckungsakten vor, zahlreiche Gläubiger wollten Geld sehen. Erst kurz vor seiner Geburtstagsfeier hatte das Jobcenter 4400 Euro von dem Mann eingefordert. Er habe doch erkennen müssen, dass sein Geld nicht für eine große Feier reichen würde, sagte der Richter: „Ich glaube, sie haben sich eigentlich keine Gedanken gemacht und wollten auf den Putz hauen.“

Wortreich versuchte sich der Angeklagte, als Opfer unkalkulierbarer Umstände darzustellen. Er tischte immer wieder neue Versionen auf oder hatte plötzlich Erinnerungslücken. Auch vorgelegte Kontoauszüge konnten die Skepsis des Gerichts nicht beseitigen. Auf den Auszügen sei nur zu erkennen, dass am Monatsanfang Gehalt eingegangen sei, stellte der Vorsitzende Richter fest: „Da sieht man aber nicht, dass sie vor der Feier auch noch Geld hatten. Man braucht ja auch noch Geld zum Leben.“

Als das Gericht wissen wollte, warum der Mann sich im Laufe des Jahres nicht mit dem Wirt auf einem Kompromiss geeinigt habe, antwortete der 51-Jährige ausweichend: „Ich habe ja versucht, ihn hinterher zu erreichen, es ging aber niemand ans Telefon. Nicht einmal die Putzfrau.“ Mittlerweile habe er die Rechnung aber bezahlt, behauptetet der Angeklagte stolz.

Eine Aussage, die der geprellte Gastwirt auf telefonische Nachfrage nicht bestätigten konnte. Das Geld sei weder bei ihm noch seinem Anwälten eingegangen, teilte der Geschädigte mit. „Entweder ist irgendetwas schief gelaufen oder sie haben uns ein Märchen erzählt“, wandte sich der Richter daraufhin an den Angeklagten.

Er könne sich das gar nicht erklären, beteuerte der Arbeiter mit Unschuldsmiene. Er habe doch extra eine Steuerrückzahlung dafür vorgesehen. Das Geld sei direkt vom Finanzamt an den Wirt gegangen.

Da der Angeklagte während der gesamten Verhandlung keine schlüssige Erklärung für seine Zechprellerei liefern konnte, fiel das Urteil entsprechend aus. Wegen Betruges muss der 51-Jährige 1800 Euro Strafe zahlen. (zmh)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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