Judith Hoffmann ist neu im Hephata-Direktorenteam

Fühlt sich auf dem Hephata-Gelände mit seinen geschichtsträchtigen Gebäuden wohl: Judith Hoffmann, neue pädagogische Direktorin in Hephata. Foto: Diehl

Treysa. Es war ziemlich genau vor einem Jahr, bevor sie sich auf die Stelle bewarb, dass Judith Hoffmann mit ihrem Mann ein Wochenende inkognito in Treysa verbrachte.

Sie hat sich das Hephata- Gelände angeschaut und einige andere Orte besucht - „nur von außen, ohne mich jemandem vorzustellen, ich wollte ein Gefühl bekommen für den Ort und die Umgebung“, sagt die 56-Jährige. Und das Gefühl war gut. Die geschichtsträchtigen Gebäude auf dem Campus, die reizvolle nordhessische Landschaft „und dass Hephata hier auch Landwirtschaft betreibt, das hat mich so gefreut“, sagt sie.

„Wir unternehmen etwas für und mit Menschen.“

Hoffmann komplettiert das dreiköpfige Direktorenteam der Hephata Diakonie. Als pädagogische Direktorin ist sie verantwortlich für über 4000 Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe, in der sozialen Rehabilitation, in der Behindertenhilfe und in den Schulen, verteilt in ganz Hessen.

„Ich habe gewechselt, wenn es eine noch größere Herausforderung gab“, so Hoffmann, die zuerst Arzthelferin lernte. Ihre berufliche Laufbahn zeigte stetig nach oben. „Das habe ich vorher noch nicht gehabt, ein solche breites Spektrum, in dem sich die Diakonie hier aufstellt“, sagt sie, „mit den unterschiedlichen Zielgruppen und der breiten Palette an Antworten.“ Letztere möchte sie gern im persönlichen Gespräch helfen zu finden. Ihre freundliche Art, offen auf Menschen zugehend, kommt ihr dabei gelegen.

Auf Augenhöhe

Auf Augenhöhe, achtsam und wertschätzend müsse dabei mit Menschen umgegangen werden. „Ich hoffe, dass ich dies einlösen kann, und dass Menschen auch auf mich zukommen.“ Es gehe darum zu helfen, den Spagat zwischen Selbstbestimmung und Sicherheit hinzubekommen. Dies könne nur gelingen, wenn alle - Mitarbeiter, Angehörige, juristische Betreuer, Bewohner und nicht zuletzt die Gesellschaft als Ganzes das Sprungtuch hielten. Der in Hephata eingeschlagene Weg der Dezentralisierung ist für sie, die als eine Pionierin auf dem Gebiet der Inklusion gilt, unumkehrbar.

Inklusion nicht verordnen

Ziel sei es, dass jeder so selbstbestimmt wie möglich mit so viel Sicherheit wie nötig leben könne. Dies zu verwirklichen brauche jedoch viel Zeit und Augenmaß, Inklusion dürfe nicht verordnet werden. Vielmehr müsse bei jedem Einzelnen geschaut werden, was dieser im Sinne eines selbstbestimmteren Lebens benötigt, wie das zu ermöglichen sei - mit den Mitteln, die dafür vorgesehen sind.

Da Inklusion viel mit Mobilität zu tun habe, sei dies gerade auf dem Land, wo viele Menschen auf ein Auto angewiesen sind, Menschen mit Behinderungen aber meist nicht selbst fahren können, eine besondere Herausforderung.

Hephata sieht Judith Hoffmann als Dienstleister und als ein Unternehmen im besten Wortsinne: „Wir unternehmen etwas für und mit Menschen.“

Zur Person

Judith Hoffmann (56) ist Heilpädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin. Nach beruflichen Stationen in ihrem Heimatkreis Recklinghausen, wo sie unter anderem in Marl ein heilpädagogisches Zentrum geleitet hat, und in Hamburg, wo sie die bundesweit erste ambulant betreute Wohngemeinschaft für Menschen mit dementieller Erkrankung auf den Weg gebracht hat, war sie seit 2011 als Geschäftsführerin in der diakonischen Einrichtung Himmelsthür in Hildesheim tätig. Hoffmann hatte zuerst Arzthelferin gelernt. Nachdem ihre drei mittlerweile erwachsenen Söhne älter waren, hat sie ihr Abitur nachgeholt und in Bochum Heilpädagogik studiert, später berufsbegleitend noch Gesundheitswissenschaften in Bielefeld.

Quelle: HNA

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