Jüdische Familie Moses ging in Spangenberg auf Spurensuche

Legen nach jüdischer Sitte kleine Steine gegen das Vergessen auf den Gedenkstein am jüdischen Friedhof: Suzanne, Daniel und Sara Moses. Ihre Vorfahren stammen aus Spangenberg. Foto: Pflug

Spangenberg. Loewenthal, Meyerfeld, Heilbrunn: Es sind viele bekannte Namen über die Suzanne Moses auf dem Jüdischen Friedhof in Spangenberg stolpert.

Die Australierin ist zu Besuch in Deutschland und auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Die liegen auch in Spangenberg. Denn ihre Mutter Bringfriede Loewenthal wurde 1915 in einem Haus an der heutigen Obergasse geboren.

Etwa sechs Monate lang hat Moses recherchiert, bevor sie die Reise nach Europa angetreten hat. Sie ist auch nicht direkt nach Deutschland gereist, sondern hat erst am Marsch der Lebenden in Polen teilgenommen. Mit diesem erinnern jedes Jahr Menschen an das Schicksal der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.

„Es ist ein komisches Gefühl hier zu sein“, sagt die 65-Jährige über ihren Besuch in Spangenberg. Es sei, als ob man zwischen Toten wandele, wenn sie sich vorstelle, wo und wie ihre Vorfahren gelebt hätten. Sie bereue den Besuch nicht, lediglich, dass sie nicht schon früher gekommen sei. „Dann hätten wir vielleicht noch mit Zeitzeugen sprechen können.“ Aber erst jetzt habe sie sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Immer wieder ringt Moses um Worte, wenn es darum geht, ihren Gemütszustand zu beschreiben. Sie möchte den Besuch nicht als positive Erfahrung beschreiben. Sohn Daniel, der sie begleitet, erklärt, dass befriedigend ein besseres Wort sein könnte. Daniel und seine Schwester Sara sind mitgekommen, um ihre Mutter zu unterstützen. Sara erklärt: „Auch wir kennen die Wut und den Schmerz, der von Generation zu Generation weitergegeben wird“. Noch immer sei es ihr unverständlich, wie man nur aufgrund der Religion Millionen von Juden in den Tod habe treiben können.

Die Frage, warum sie fast keine Verwandten habe, beschäftigt Suzanne Moses schon lange. Denn während ihre Eltern entkamen, wurden die meisten anderen Verwandten während des Holocaust ermordet. Bei dem Besuch der Familie Moses geht es auch darum ihre Spuren zu entdecken. Für die meisten gibt es kein Grabmal, keinen Platz zu trauern. Oft sind von ihnen nur Einträge auf Listen und Namen in Registern geblieben. Ihre Spur verlieren sich laut Moses in Ghettos und Vernichtungslagern, in Riga und Sobibor (Polen). Um so froher war die Familie, als sie das Grab von Suzanne Moses Großvater Levi Heilbrunn in Bettenhausen entdeckten, erklärt Suzanne.

Heilbrunn, der Großvater väterlicherseits, war Inspektor im jüdischen Waisenhaus in der Kasseler Gießbergstraße. Dort lernten sich auch die Eltern von Suzanne Moses kennen. Der Großvater wurde 1938 verhaftet und kam bei Verhören in Kassel ums Leben. Im selben Jahr flohen die Eltern, nachdem Vater Oskar für einige Wochen in Buchenwald interniert gewesen war. Ihr Weg führte über Sri Lanka, wo sie mit der Rücksendung bedroht wurden, nach Australien. Dort wurde 1949 Suzanne Moses geboren. (mia)

Quelle: HNA

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