Ortsrundgang Hilgershausen: Die Menschen leben gern hier 

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Erfrischung aus dem Brunnen: Gisela Auel und Hermine Hilgenberg (von links) zapfen Wasser, das direkt aus der dorfeigenen Quelle kommt. Ein Trinkbecher hängt immer hinter dem Schild mit der Ortskarte (im Hintergrund).  

Hilgershausen. „Steinalt und doch noch jung“ - mit diesem Spruch begrüßt Hilgershausen seine Besucher auf einem Schild am Ortseingang. Diese Beschreibung passt gut zu dem 240-Seelen-Ort, der 2006 sein 900jähriges Bestehen feierte, aber viele sehr junge Bewohner hat,

Das erzählt Ortsvorsteher Heinrich Schmidt beim Ortsrundgang mit der HNA. „Viele Familien sind nach Hilgershausen zurückgekommen“, sagt er.

Noch recht neu in der Dorfgemeinschaft sind die Zwillinge Maya und Finja Pick: Sie wurden vor 14 Monaten geboren. Ihre Eltern Verena und Marc-Michael Pick sind 2008 von Bielefeld nach Hilgershausen gezogen. „Wir wollten beide aufs Land“, sagt Marc-Michael Pick. „Hilgershausen ist toll für Kinder, es ist ruhig und überschaubar, man kennt jeden, und einen Spielplatz gibt es auch.“ Zum Kindergarten muss Sophie, die vierjährige Schwester der Zwillinge, aber nach Gensungen fahren. Das stört ihre Eltern nicht.

Schwerverkehr macht Sorgen

Sorgen bereitet ihnen etwas anderes: Der Schwerverkehr, der wegen der Baustelle auf der A 7 derzeit vermehrt durch den Ort rollt. „Das ist gefährlich für die Kinder“, sagt Marc-Michael Pick. „Aber die Stadt kümmert sich da nicht drum.“ Die Hilgershäuser haben inzwischen in engen Kurven Warnbaken aufgestellt, erzählt der 39-Jährige - weil die Lastwagen immer wieder über die Bordsteine fahren und an Hauswände stoßen.

Jeder zweite Dorfbewohner ist Mitglied der Feuerwehr: Das freut den Vereinsvorsitzenden Heinz-Werner Grote.

Dennoch, das wird beim Ortsrundgang deutlich, leben die Menschen gern in Hilgerhausen. „Jedesmal, wenn ich hier reinfahre, denke ich: Das ist meine Heimat, hier fühl ich mich wohl“, sagt Hermine Hilgenberg. Die 78-Jährige ist vor 15 Jahren nach Hilgershausen gezogen. Weg will sie nicht mehr. „Wir haben hier alles, was man braucht, und jeder ist für den anderen da.“

Besonders toll findet Hilgenberg die jährlichen Feste. „Da helfen alle mit.“ Auch sonst sind die Dorfbewohner engagiert. Gisela Auel etwa kümmert sich um den Dorfbrunnen: „Ich bepflanze ihn und schmücke ihn passend zur Jahreszeit“, erzählt sie. Für Durstige hat sie am Dorfplatz einen Trinkbecher aufgehängt, mit dem man sich Wasser am Brunnen zapfen kann.

Die 71-Jährige findet es allerdings schade, dass der Dorfplatz, den die Hilgershäuser vor mehr als 20 Jahren selbst gestaltet haben, oft als Hundeklo genutzt wird. „Ich mag Tiere wirklich, aber das ist einfach ärgerlich“, sagt sie.

Tiere gibt es übrigens viele in Hilgershausen: Pferde, Gänse, Ziegen und Hühner - die auch frei auf der Straße herumlaufen. „Das sorgt für Verkehrsberuhigung“, scherzt ein Hilgershäuser beim Ortsrundgang. Doch die schweren Lastwagen können auch die Hühner nicht aufhalten.

Bilder des Rundgangs

Ortsrundgang in Hilgershausen: Jungbrunnen fürs Dorf

Feste und Termine

Jedes Jahr wird in Hilgershausen gefeiert. Am 8. September ist Kartoffelfest. „Wir waren die ersten in der Region, die ein Kartoffelfest gefeiert haben“, sagt Ortsvorsteher Heinrich Schmidt stolz. Organisiert wird das Kartoffelfest vom Feuerwehrverein, in dem übrigens jeder zweite Hilgershäuser Mitglied ist.

Sie gehören zu den jüngsten Dorfbewohnern: Die 14 Monate alten Zwillinge Maya und Finja – auf dem Arm ihrer Eltern Verena und Marc-Michael Pick – und ihre große Schwester Sophie (4 Jahre).

Im Wechsel mit dem Kartoffelfest feiern die Hilgershäuser das Steinfest. Steine spielen in Hilgershausen eine wichtige Rolle, denn gleich nebenan gab es früher einen Basaltsteinbruch. Basalt findet man deshalb in vielen Gebäuden im Ort. Auch den Dorfplatz schmückt ein großer Basaltstein, und seit einigen Jahren gibt es in Hilgershausen auch einen Steinwanderweg. Angelegt hat ihn der Brauchtumsverein, der fast genauso viele Mitglieder hat wie die Feuerwehr. Vom Männerkochen über Nähkurs und Wandergruppe bis zum Platte schwätzen bietet der Verein für jeden etwas.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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