Prozess am Amtsgericht in Treysa

Junge Männer prügelten sich aus Eifersucht auf der Salatkirmes

Treysa. Die Masse an Zeugen und Juristen ließ einen schwierigen Fall vermuten: Vier junge Männer aus dem Altkreis Ziegenhain saßen dicht gedrängt auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Treysa.

Dazu gesellten sich zwei Nebenkläger, zwei Anwälte, ein Richter, zwei Schöffen, ein Staatsanwalt, sieben Zeugen, eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und natürlich die Gerichtsschreiberin.

Auch die Prozessdauer war für Treysaer Verhältnisse ungewöhnlich lang. Fast fünfeinhalb Stunden dauerte es bis der Richter das Urteil im Namen des Volkes aussprechen konnte.

Dabei ging es im Grunde nur um die Folgen einer Kirmesschlägerei. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Marburg sollen die 21-, 20-, 18- und 20-jährigen Angeklagten im vergangenen Jahr auf der Salatkirmes eine Schlägerei angezettelt haben. Dabei wurden zwei junge Männer verletzt. Durch Schläge und Tritte ging eine Nase zu Bruch, ein Zahn wurde abgebrochen.

Die beiden Opfer waren nicht nur als Zeuge erschienen, sondern saßen ihren Peinigern auch als Nebenkläger gegenüber.

Sowohl die vier Angeklagten als auch die Zeugen nutzten ausgiebig ihr Aussagerecht und so konnte der Hergang des Streits aus zahlreichen Blickwinkeln beinahe minutiös rekonstruiert werden. Kurios: Als die Nebenklage den Verlauf einer schriftlichen Unterhaltung per Handy als weiteren Beweis präsentierte, rief der Vorsitzende Richter kurzerhand aus dem Gerichtssaal heraus einen der Gesprächsteilnehmer an und bestellte ihn als Zeuge in die Verhandlung. Damit hatte der junge Mann beim Aufstehen am Morgen vermutlich auch nicht gerechnet.

Zunächst machten die vier Angeklagten ihre Aussage und schnell wurde deutlich, dass Auslöser der Kirmesschlägerei wohl eine gescheiterte Beziehung war: Seine Ex-Freundin sei ihm mit ihrem neuem Freund und dessen Bekannten auf dem Kirmesplatz entgegengekommen und hätten provozierend gegrinst. Als er seinen Nebenbuhler zur Rede stellen wollte, habe ihn dieser beleidigt und schließlich geschlagen: „Dann lag ich auf ihm und habe ihm ins Gesicht geschlagen.“ Die Schlägerei sei damit auch schon wieder zu Ende gewesen. Woher die Verletzungen bei dem anderen Opfer stammen, könne er sich nicht erklären, sagte einer der 20-Jährigen aus der Schlägertruppe.

Die Aussagen der Angeklagten waren im Wesentlichen deckungsgleich. Die jungen Männer hatten sich augenscheinlich im Vorfeld gut abgesprochen. Man habe niemanden geschlagen, sondern nur zurückgehalten, so der Tenor der drei jungen Männer. Die Opfer der Schlägerei sahen die Sache naturgemäß anders. Der Angriff sei angekündigt gewesen. Auch für das Gericht war der Tatverlauf nach der Beweisaufnahme eindeutig. „Er sah den Widersacher, kann ihn nicht leiden und hatte noch eine Rechnung offen. Der Streit sei gewollt gewesen und die anderen waren die Bodyguards“, sagte der Vorsitzende Richter.

Die Jugendgerichtshilfe stufte die Tat als ziemlich unreife und jugendtypische Beziehungstat ein. „Männliches Balzverhalten“, brachte es der Richter auf den Punkt.

Von Freizeitarrest über eine Geldstrafe bis hin zu einer siebenmonatigen Haftstrafe auf Bewährung bekam jeder der jungen Männer für die Körperverletzung eine individuelle Strafe aufgebrummt.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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