Stadt gibt Geld für Mängel-Gutachten und den Erwerb älterer Gebäude

Junge sollen Häuser kaufen

Blick in die Melsunger Innenstadt: Da es fast keine Bauplätze gibt, will die Stadt mit einem Förderprogramm den Kauf von älteren Wohnhäusern attraktiver machen. Foto: Gehlen

Melsungen. Junge Familien sollen Wohnhäuser in Melsungen kaufen – um dieses Ziel zu erreichen, will die Stadt die potenziellen Käufer mit Geld unterstützen. Dabei gibt es bis zu 400 Euro für Gutachten vor dem Kauf, danach können 600 Euro pro Jahr plus 300 pro Kind gezahlt werden.

„Jung kauft Alt“ heißt das Immobilienprogramm, das im Stadtparlament beschlossen wurde. Es trägt der Situation in Melsungen Rechnung: Viele Häuser werden mittlerweile nur noch von einer Person bewohnt, andere stehen leer. Um eine Zersiedelung und einen größeren Leerstand zu vermeiden, weist die Stadt bewusst keine Neubaugebiete aus. Bauplätze sind daher kaum noch vorhanden.

Gültig im gesamten Gebiet

Ansiedlungswilligen bleibt neben einem Mietverhältnis also nur ein Weg: der Kauf eines existierenden Hauses. An dieser Stelle setzt das neue Immobilienprogramm an. 30 000 Euro stehen im Haushalt bereit. Gefördert wird der Erwerb von Wohngebäuden, die älter als 25 Jahre sind. Die Förderung gilt für das gesamte Gemeindegebiet. Die Kombination mit anderen Fördermitteln ist möglich.

Dabei gibt es bis zu 400 Euro für ein Gutachten, das vor dem Kauf den baulichen Zustand des Gebäudes beleuchtet. Der Käufer soll also wissen, was auf ihn zukommt. Kauft er, gibt es fünf Jahre lang 600 Euro pro Jahr, 300 Euro kommen pro Kind hinzu.

Das Programm stieß auf große Zustimmung: „Es kann aber nur ein Schritt von vielen sein, um den Zuzug nach Melsungen schmackhaft zu machen“, sagte Holger Braun (Grüne).

Martin Gille (FWG) kritisierte dagegen, dass die Förderung für das gesamte Stadtgebiet und alle Häuser gilt, die älter als 25 Jahre sind: Es sei überhaupt kein Problem, solche Gebäude zu verkaufen. Außerdem sollten die Fördermittel lieber der Kernstadt zugutekommen.

Doch das sei gar nicht Sinn des Programms, erklärte Heinrich Grede (FDP): Das sei kein allgemeines Förderprogramm, sondern die Konsequenz daraus, dass es in der Kernstadt fast keine freien Grundstücke gibt.

Volker Wagner (SPD) wies darauf hin, dass man in Melsungen vor einem dramatischen Umbruch des Wohnungsmarktes stehe. Gerade eine weite Fassung der Förderrichtlinien sei sinnvoll, sagte Phil Kothe (CDU).

Verschiedene Meinungen gab es bei der Frage, wer denn als jung gelte. Der Vorschlag einer Altersbeschränkung war aber umstritten: „Welcher 60-Jährige kauft denn ein Haus?“, fragte Joost Fastenrath (FDP) Das würden in der Regel die 25- bis 40-Jährigen tun.

Für das Programm gab es breite Zustimmung, nur die Freien Wähler stimmten dagegen. Bei der CDU gab es zwei Enthaltungen.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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