Obermelsungen

Kämpfende Schwäne: Frau rettet Jungtier

In Sicherheit: Anne Ehle päppelt den jungen Schwan in ihrem Garten auf. Auch Enkel Lion hilft beim Füttern mit Klee, Algen und Brot. Foto: Vorrath

Heina. Lautes Quaken und Kreischen schallt plötzlich über den Campingplatz in Obermelsungen. Anne Ehle schaut sich um und entdeckt kämpfende Schwäne. Bei näherem Hinsehen erkennt sie, dass ein älteres Männchen gerade dabei ist, einen jungen Schwan umzubringen.

Sofort rennt sie los. Aufgeschreckt durch Ehle flüchten einige Nilgänse in den nahen See. Das Schwan-Männchen nimmt die Verfolgung auf. Zurück bleibt das verletzte Jungtier. Das war am vergangenen Samstag.

Drei Tage später paddelt der kleine Schwan im Garten von Anne Ehle in Heine. „Ich habe ihn sofort in eine offene Kiste gepackt und bin mit ihm zum Tierarzt gefahren“, erzählt sie. Tierarzt Bernd Korthaus hat seine Praxis in Morschen.

Er behandelte das Jungtier kostenlos. „Der Schwan hat eine große Bissverletzung am Kopf“, berichtete der Mediziner. Diese könne von dem Schwan-Männchen stammen oder von einem Hund. Die Wunde sei zudem infiziert. „Ich habe dem Tier deshalb ein Antibiotikum gegeben.“ Verständlicherweise sei der Vogel gestresst und geschwächt. „Er wird aber überleben und ein großer Schwan werden, wenn alles normal verläuft.“

Bis dahin hat er in Anne Ehles Garten ein kleines Gehege mit Wasserbecken. Jeden Tag bekommt der Schwan frischen Klee, Algen und Brot. „Außerdem habe ich Aufzuchtfutter besorgt“, erzählte Ehle. „Das mag er aber nicht.“ Einen Namen hat der kleine Schwan nicht. Denn Ehle will ihn nicht behalten. „Er soll wieder in die freie Wildbahn sobald es ihm besser geht.“ Ob sie ihn dafür zurück zum Campingplatz bringt, weiß sie nicht.

Amtsarzt Dirk Kusan vom Veterinäramt in Homberg sagt, dass es kein Problem sei, einen Schwan selbst wieder auszuwildern. „Der Schwan muss aber völlig gesund sein.“ Wichtig sei, dass das Tier fluchtbereit ist. „Es muss vor Artgenossen und natürlichen Feinden wegfliegen können.“ Nur so sei gewährleistet, dass sich der junge Schwan wieder in die Gruppe seiner Artgenossen einfügen kann.

Wenn es einmal nicht möglich ist, ein gefundenes verletztes Tier wieder aufzupäppeln, besteht die Möglichkeit, es in professionelle Hände zu geben. „Manche Tierparks haben solche Aufzuchtstationen“, erklärte der Amtsarzt.

Die nächste Auffangstation des Naturschutzbundes Nabu befindet sich in Göttingen.

• Kontakt: Nabu Auffangstation Göttingen, Romstraße 64, Tel. 0551/68637

Quelle: HNA

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