500 Jahre altes Gebäude verschwindet aus dem Spangenberger Stadtbild

Junkerhaus vor Abriss

Spangenberg. Wirkliche Wehmut kam bei den Nachbarn nicht auf: Als jetzt der Bagger anrollte, um das marode Spangenberger Junkerhaus abzureißen, hielt sich die Trauer der Schaulustigen in engen Grenzen. „Das Gebäude war völlig hinüber“, sagte einer der Männer, die zusahen, als Laster und Bagger in Position gebracht wurden. „Natürlich wäre es schöner gewesen, es hätte jemand saniert, aber so ging es wirklich nicht weiter.“

Diese Worte würde Bürgermeister Peter Tigges wohl sofort unterschreiben. Zwar stelle der Abriss des fast 500 Jahre alten Fachwerkgebäudes einen architektonischen Verlust dar, sagt Tigges, doch sei der bisherige Zustand keinesfalls mehr tragbar gewesen.

Kein Wunder: Das Dach war teilweise eingestürzt, Lehmwände im Inneren zusammengebrochen, Fensterscheiben zerborsten, Türen zugenagelt – das Haus war über viele Jahre hinweg so zerfallen, dass es am Ende ein Bild fachwerktechnischen Elends abgab.

Vor einem Jahr beschlossen

Nicht umsonst hatte das Parlament vor genau einem Jahr den Abriss beschlossen. Dabei hatte das 1516 errichtete Gebäude über Jahrhunderte hinweg zu den prächtigsten der Liebenbachstadt gehört. Doch die Zeiten von Prunk und Pracht waren schon lange vorbei, das Junkerhaus stellte einen Schandfleck und eine Gefahrenquelle zugleich dar, ein Bauzaun musste Passanten vor herabstürzenden Teilen wie Dachziegeln oder Steinen schützen.

Seit Wochenbeginn wird das Haus nun abgetragen, nur noch die Grundmauern und der gotische Eingangsbereich sollen erhalten bleiben. Die Mitarbeiter der Baufirma arbeiten sich langsam auf den Kern des Hauses, trennen gerade vorsichtig den Anbau vom Haupthaus. „Wir wissen noch nicht, wie sie miteinander verbunden sind“, sagte Bauarbeiter Manfred Roll bei Beginn des Abrisses. Der soll ganz fix über die Bühne gehen: Bis Weihnachten soll das fast 500 Jahre alte Haus verschwunden sein.

Auf dem Grundstück entsteht nun eine Freifläche. Wie die gestaltet werden soll, steht noch nicht fest, vielleicht kommt eine Bank dorthin. Der Blick könne von dort weit über die Liebenbachstadt schweifen, sagt Bürgermeister Tigges.

Bis es soweit ist, dass man von dort aus über die Spangenberger Dächer schauen kann, wird der Bagger noch viele Balken und Ziegeln abtragen. Die Kosten für den Abriss belaufen sich auf knapp 30 000 Euro. 60 Prozent davon schießt das Förderprogramm Soziale Stadt zu.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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