Hermann-Josef Rapp begeisterte Tausende für den Reinhardswald

Waldfreund Hermann-Josef Rapp: Er wird keine Besuchergruppen mehr durch den Reinhardswald begleiten. Er legt Wert auf einen leeren Terminkalender und möchte mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen. Foto: Thon

Reinhardshagen. Er hat den Reinhardswald aus dem Dornröschenschlaf geweckt: Hermann-Josef Rapp lockte über 60.000 Besucher in den Urwald Sababurg hinein, führte sie zu knorrigen Eichen und mächtigen Buchen.

Journalisten, Fotografen und Fernsehteams folgten seiner Spur. Vor einigen Monaten hat er sich zur Ruhe gesetzt. Familie und fünf junge Enkel geben nun seinem Leben Rhythmus.

Doch der Reinhardswald liegt dem 68-Jährigen nach wie vor am Herzen. „Der spielt in der Bundesliga der Wälder“, ist einer seiner Lieblingssätze. „Die Hohe Rhön, der Seulingswald – die haben alle nicht dieses Inventar.“ Mit Inventar meint er den Wald als Freilichtmuseum der Archäologie, die Hutewälder, seinen Artenreichtum, die Unversehrtheit, die versteckten Schluchten und Täler im Osten, in denen sich Bäche ihren Weg zur Weser bahnen. Im Reinhardswald wohnt die Seele der Märchen, ist er überzeugt.

Seine Leidenschaft für die Natur hat er bei unzähligen Führungen und Vorträgen mit den Menschen geteilt. Seinen Einsatz für den Wald trug er auch kämpferisch und politisch aus. Rapp wehrte sich gegen das gewaltige Ferienprojekt Beberbeck, plädierte für eine behutsame touristische Erschließung des Lebensraumes.

Fracking, Salzsee, Windräder

Heute heißen die schwierigen Themen Fracking, Salzsee und Windräder. Die Vorstellung wühlt ihn auf, dass demnächst riesige Propeller 150 Meter über der Baumgrenze rotieren und die Landschaft entwürdigen könnten. „Ich störe mich nicht an vier Anlagen. Aber wenn sämtliche Kuppen mit Windrädern gekrönt sein werden, ärgert mich das schon“, sagt er. Es fällt schwer anzunehmen, dass der Mann mit der kräftigen Stimme tatenlos auf seinem Sofa sitzen bleiben, sich mit dem Blick durchs Fenster auf den geliebten Wald begnügen und schweigen wird.

Seine Zerrissenheit zwischen Pflichtgefühl gegenüber seiner Heimat und der auch ärztlich verordneten Entschleunigung wird sich ihren Weg suchen. „Ich werde nicht mehr in der ersten Reihe stehen“, sagt Rapp, der bei denen, die ihn mögen, Jupp heißt. Und Jupp sagen viele.

Wer sich von ihm den Reinhardswald hat zeigen lassen, kam auch, um ihn als humorvollen Entertainer mit scharfem Geist zu erleben. Seine kräftige Statur, sein Bass, seine Ausstrahlung – sie passten zu den markanten, starken Bäumen, über die er sprach.

Jetzt werden andere das Tafelsilber des Reinhardswaldes präsentieren. „Ich habe den Urwald ja nicht erfunden. Die Hutewälder und Alleen gab es vor mir. Mit den Hugenotten und Waldensern habe ich nichts zu tun. Und die Saba-burg habe ich nicht gebaut“, sagt Rapp. Alles sei da, man müsse die Schatzkammer für die Menschen offen halten.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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