Das Kabarett „Notenkopf“ begeisterte im Stadtcafe in Spangenberg

Bissig und entlarvend: Das Kabrett-Duo „Notenkopf“ war am Freitag in Spangenberg mit Texten und Liedern von Georg Kreisler und Heinz Erhardt zu Gast. Foto: Köthe

Spangenberg. Böse, böse, böse – Georg Kreisler reagiert auf den mitmenschlichen Blickkontakt mit subtiler Eloquenz und uriniert dabei unauffällig dem antiseptischen Bürgertum verbal an die Fassade.

Der österreichische Schriftsteller, Musiker und Kabarettist sorgt für Stromausfall in der ideologisch eingeparkten Kleinfamilie, indem er die Wertedefinition ihrer Existenz ad absurdum führt.

Lieb, lieb, lieb – der deutsche Entertainer Heinz Erhardt (1909 bis 1979) dagegen setzte eher auf die charmante Enttarnung geistloser Rituale einer bürokratisierten Standesgesellschaft. Zwei geniale Komödianten, ein Ziel: „Hauen wir ein paar Löcher in den Beton!“

Schauspielerin und Sängerin Romy Hildebrand und der Pianist Jörg Lehmann haben als Kabarett „Notenkopf“ Songs und Texte von Kreisler und Erhardt zu einem quirligen Programm verklebt und begeisterten damit am Freitagabend die vielen Gäste im Stadtcafe in Spangenberg.

Eine Vernissage mit eindrucksvollen Photografien von Iris Schulz, leckere Häppchen und eine gutgelaunte Gastgeberin Hanna Wetzel sorgten für Wohlfühlatmosphäre, in der manches Gespräch kontrovers über das Bühnengeschehen geführt wurde. Über alle Zweifel erhaben war die Professionalität und Spielkunst, mit denen das Duo die wortreiche Liedpoesie und die Zwischentöne gestalteten.

Feine Gesangstechnik

Romy Hildebrand agierte im androgynen Einreiher ausdrucksstark mit deutlicher Artikulation, feiner Gesangstechnik und mimischer Vielfalt. Die perfekte Pianobegleitung von Jörg Lehmann sorgte für maximale Konzentration auf die präsentierten Geschichten und Formulierungen. Nach Kreislers bissigem „Der Musikkritiker“ müsste mancher Schreibklon von sich aus seine Koffer packen und „Der Liebesbrief“ ist ein desillusionierender Abgesang an die zahllosen Hollywood-Schmonzetten alter Prägung.

„Im Theater ist nichts los“ beschreibt das Buckeln für den Erfolg, und der „Opernboogie“ entlarvt manche dramaturgische Rakette als Blindgänger. Heinz Erhardt bringt man mit der Made hinter der Rinde und Fr. Birnbaum beim Aristokraten-Mampf ins Spiel, doch die proportionale Oberhand bleibt bei Kreisler.

Dann noch die vielen Mordgeschichten, in denen Ehefrauen und Geliebte gleich scharenweise über die Klinge springen, die Kindererziehung zum Kriminellen und das Taubenvergiften im Park.

Alles Ratschläge, die einen tief durchatmen lassen. Oder, wie an diesem Abend, zu tosendem Applaus verführen.

Quelle: HNA

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