Ein Kämpfer ist gegangen

Nachruf: Helmut Schwedhelm starb an den Folgen seiner ALS-Erkrankung

Helmut Schwedhelm starb im Alter von 51 Jahren an den Folgen seiner ALS-Erkrankung. Das Bild entstand im vergangenen Jahr in seinem Garten. Foto: syg

Treysa. Das Leben von Helmut Schwedhelm war in den vergangenen drei Jahren von kleineren und größeren Abschieden geprägt gewesen: das letzte Joggen, das letzte Skifahren, das letzte Autofahren. In der Nacht zum Mittwoch nahm Helmut Schwedhelm ganz leise von uns Abschied. Er starb im Alter von 51 Jahren an den Folgen seiner ALS-Erkrankung in seinem Haus in Treysa.

Im Sommer 2013 spürte er die ersten Symptome der unheilbaren Erkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), bei der nach und nach die Verbindung zwischen Gehirn und den Muskeln schwindet. Seitdem hatte die Krankheit schleichend Einzug in seinen Körper gehalten. „Zuschauer im eigenen Leben zu sein“ wollte er nicht hinnehmen, Familie und Freunde weiterhin genießen.

Und während die heimtückische Krankheit immer mehr von ihm Besitz ergriff, haben sich in seinem Haus die Türen immer weiter geöffnet: Die Funktionen seines Körpers waren ihm zwar immer mehr entglitten, doch ein großer Freundeskreis und seine Familie halfen ihm, den Alltag zu meistern. Für viele Freunde und Wegbegleiter unvergessen wird sein 50. Geburtstag bleiben. Unter dem Motto „Hurra, ich werde 50“ hatte er sie - mit dem Vorsatz „ein krachendes Fest“ feiern zu wollen - eingeladen.

Bis zu seiner Erkrankung war es viele Jahre für Helmut Schwedhelm gut gelaufen. Das Wort ‘sozial’ hatte eine besondere Bedeutung für ihn. Immer setzte er sich auch für die Interessen anderer ein. Nach der Ausbildung zum Erzieher hatte Schwedhelm, Sohn eines Diakons, berufsbegleitend Sozialpädagogik studiert, viele Jahre hatte er unter anderem auch bei Hephata im Bereich Jugendhilfe Leitungsaufgaben wahrgenommen. Als streitbarer Kämpfer war er über die Schwalmstädter Kommunalpolitik hinaus bekannt gewesen. Mehr als 25 Jahre hatte er sich in den städtischen Gremien engagiert, viele Jahre hatte er den Stadtverband der SPD geführt. Mit der Verleihung der Schwalmstädter Ehrenplakette war ihm für sein öffentliches Engagement gedankt worden.

Aufgeben kam für Helmut Schwedhelm nicht in Frage, Geselligkeit, Familie und Freunde waren seine Perspektiven: „Alte Leistungsorientiertheit kann keine gute Laune mehr erzeugen. Da ich diese trotzdem gerne habe, wähle ich hierfür das Motto ‘Rosinen picken: Achtsam mit den Kräften umgehen und dabei maximal Schönes erleben - und das alles mit meiner reichhaltigen Vergangenheit“, schrieb er in seinem Ich-Buch, das er als Medium nutzte, um sich trotz des schleichenden Verlustes der Sprache verständlich zu machen.

Bis zum Schluss - auch noch über das Osterfest hin - habe er Augenblicke des Lebensgenusses gehabt, heißt es aus seinem Freundeskreis.

Trauerfeier: Freitag, 15. April, ab 15 Uhr in der Stadtkirche in Treysa

Quelle: HNA

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