Kampf gegen Suedlink: „Bürgerprotest ist sehr wichtig“

Will keine Höchstspannungs-Gleichstromtrasse vor ihrem Haus: Veronika Papenhagen-Stannick. Foto: Hoffmann

Bad Emstal. Auf dem großen Schreibtisch von Veronika Papenhagen-Stannicks Kanzlei türmen sich die Unterlagen zum Thema Suedlink.

Seit Monaten schon recherchiert die Anwältin zur geplanten Höchstspannungs-Gleichstromtrasse der Betreiberfirma Tennet, die von Nord nach Süd quer durch Deutschland auch durch das Wolfhager Land und in unmittelbarer Nähe zu ihrem Haus im Bad Emstaler Ortsteil Sand verlaufen soll.

Als Vorsitzende der Bürgerinitiative Bad Emstal ist sie gerade in diesen Tagen gefordert, denn gestern hat Tennet den Antrag auf Bundesfachplanung an die Bundesnetzagentur übergeben, womit das förmliche Verfahren zur endgültigen Festlegung des Trassenkorridors begonnen hat. „Hat die Bundesnetzagentur den Korridor erst einmal verbindlich festgelegt, haben die betroffenen Bürger, Kommunen und auch die Landesregierungen keinerlei Möglichkeit mehr, gegen diesen Beschluss vorzugehen“, erklärt Papenhagen-Stannick. „Es ist daher sehr wichtig, dass auch die Bürger jetzt aktiv werden, wir haben maximal einen Monat Zeit, um Widerspruch einzulegen.“ Wichtig sei hierbei vor allem, dies schriftlich unter Angabe einer Begründung zu tun. Einen Leitfaden zur Erstellung eines Widerspruchs stellt die Bürgerinitiative im Internet unter www.facebook.com/StromtrasseBadEmstal zur Verfügung, hilft nach Kontaktaufnahme gern auch persönlich. Unterstützung finden Bürger zudem bei der Gemeinde Bad Emstal, mit der Papenhagen-Stannick und ihre Mitstreiter an einem Strang ziehen. „Bürgermeister Ralf Pfeiffer hat in der Bürgerversammlung angekündigt, dass die Bad Emstaler vom 16. Dezember bis 8. Januar im Rathaus ihren Widerspruch schreiben lassen können.“

Gründe sieht Papenhagen-Stannick dafür viele, beispielsweise den Verlauf des von Tennet bevorzugten Trassenkorridors entlang Bad Emstals in einer Vogelfluglinie. Kraniche, Graureiher und Greifvögel könnten etwa die Leiterseile in erheblicher Höhe nicht wahrnehmen, nach einer Landung darauf würden sie zudem regelrecht gegrillt, da die Seile und Transformatoren Temperaturen bis zu 150 Grad entwickelten. Außerdem seien Mutationen der Pflanzen im Wirkbereich unter und neben den Trassen zu erwarten, ganz abgesehen vom enormen Landschaftsverbrauch durch riesige Betonanker der im Endstadium geschätzten, bis zu 300 Meter breiten Strom-trassen.

„Neben der Landschaftsverschandlung ist auch mit akustischen Auswirkungen durch tieffrequente Brummtöne sowie Knistern durch Koronaentladungen bei feuchter Witterung zu rechnen, das elektromagnetische Feld verursacht Störungen des Rundfunk-, Fernseh- und Handyempfangs“, so die engagierte Anwältin. „Widerstand der Bevölkerung ist nicht nutzlos, sondern er verdeutlicht den gewählten Volksvertretern, dass wir mit diesem Projekt nicht einverstanden sind.“ Dazu soll auch ein Lichtermarsch beitragen, der am Montag, 15. Dezember, um 18 Uhr am Rathaus in Sand beginnt.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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