Patrick Müller-Nolte und sein Team gehen in der Notaufnahme täglich ans Limit

Kampf um Leben und Tod

Hochbetrieb: In der Notaufnahme des Schwalmstädter Asklepios-Klinikums ist immer zu tun. Eine Krankenschwester übernimmt im Aufnahmebereich die Ersteinschätzung der Patienten. Unten rechts übergibt Notarzt Andreas Begger seine Patientenunterlagen an Kollegen Patrick Müller-Nolte (links) in der Notaufnahme. Er versorgt dort mit anderen Ärzten und dem Pflegepersonal die Kranken (Foto oben links). Fotos: Paul

Ziegenhain. Zwei Sanitäter schieben schnellen Schrittes eine Frau auf einer Trage in die Notaufnahme. Das Team um Patrick Müller-Nolte steht bereits im Schockraum bereit. „Diabetikerin Typ 2“, „Zucker über 500“, „Blutdruck 192 zu 104“ lauten die knappen Ansagen an den Arzt. Mit einem Blick erkennt er den Ernst der Lage. Nur einen Sekundenbruchteil später gibt er seinem Team die ersten lebensrettenden Anweisungen.

Patrick Müller-Nolte (34) ist Notfallmediziner im Schwalmstädter Asklepios-Klinikum. Zur Arbeit pendelt er aus Marburg, wo er auch Medizin studiert hat. 42 Stunden und länger kümmert er sich pro Woche um die Patienten der Schwälmer Notfallstation. „Ganz so dramatisch wie bei der Fernsehserie Emergency Room geht es bei uns nicht zu“, berichtet der 34-Jährige, „aber es kommen doch immer wieder mal spektakuläre Fälle rein.“

Hintergrund:

Notaufnahme-Alltag in der Schwälmer Asklepios-Klinik

Jeden Monat kommen etwa 1100 Notfälle ins Schwalmstädter Asklepios-Klinikum. Dort kümmern sich pro Schicht ein Unfallchirurg, ein Arzt für innere Medizin mit Intensivstation-Erfahrung und vier Krankenschwestern um die Patienten. Ein Arzt hat die Zusatzqualifikation zum Notarzt absolviert. Gearbeitet wird im Acht-Stunden-Schichtsystem. An Wochenenden und Feiertagen steht ein 24-Stunden-Tag bevor. Einer von zwei Notfallmedizinern bleibt auf der Station, der andere fährt im Notarztwagen zu den Außeneinsätzen.

Die Patienteneinteilung im Krankenhaus erfolgt nach dem Manchester- Triage-System: Anhand der Beschwerden und Symptome des Patienten ermitteln die Schwestern, wie schnell ein Patient behandelt werden muss. Rot bedeutet akute Gefahr, der Notarzt muss sofort kommen. Orange eingeteilte Patienten müssen innerhalb von zehn Minuten behandelt werden, gelbe nach spätestens 30 Minuten. Für alle anderen Patienten gilt: Es besteht keine akute Lebensgefahr, bitte warten. (jap)

Von abgetrennten Fingern bis Kreislaufzusammenbruch durch getrunkenes Rattengift hat der Notarzt schon alles gesehen. Die häufigsten Krankheitsbilder hätten jedoch in irgendeiner Form mit Brustschmerzen zu tun, nicht selten ist ein Herzinfarkt-Patient darunter. Die Krankenschwestern entscheiden bei der Ersteinteilung nach dem so genannten Manchester-Triage-System (Kasten), wie schnell ein Patient behandelt werden muss. Dennoch kann nicht jeder kritische Patient in der Notaufnahme auch gerettet werden: „So lange man sich morgens noch im Spiegel betrachten kann und weiß, dass man alles für seine Patienten getan hat, geht man am Notarzt-Beruf nicht kaputt“, ist Müller-Nolte überzeugt. Seine zehnjährige Zeit im Rettungsdienst habe ihn zudem auf die mentalen und körperlichen Anforderungen in der Notfallmedizin vorbereitet. Monatlich suchen etwa 630 Patienten ambulant in der Notaufnahme Hilfe, weitere 470 werden stationär aufgenommen. Das macht im Durchschnitt 40 Patienten pro Schicht von Müller-Nolte. „Oben drauf kommen aber noch die akuten Notfälle auf den Stationen im Haus“, ergänzt er.

Notfallpieper gibt den Ton an

Wenn sein Pieper Alarm schlägt, muss der junge Arzt los sprinten. Viel Zeit zum Hinsetzen oder essen bleibt da im Krankenhaus nicht. „Es ist mir schon fast unheimlich, wenn ich für fünf Minuten nichts zu tun habe“, sagt der Notarzt. Und dann: Piep. Piep. Piep. Der 34-Jährige spurtet zum Treppenhaus, immer zwei Stufen auf einmal nimmt er, rennt drei Stockwerke nach oben direkt ins Zimmer 320. Eine ältere Dame liegt röchelnd in ihrem Bett. Zusammen mit drei Krankenschwestern und Intensivmediziner Tobias Honacker untersucht er die Patientin, ordnet verschiedene Medikamente an. Wenige Minuten später ist die Frau außer Lebensgefahr.

Und schon piept der nächste Alarm: Der Zustand der Diabetikerin im Schockraum verschlechtert sich dramatisch. Müller-Nolte wäscht sich steril, macht einen Schnitt in der Nähe des Schlüsselbeins und legt einen zentralen Venenkatheter. Nährstoffe werden gegeben. Der Kreislauf stabilisiert sich. Die Frau wird auf die Intensivstation verlegt. Und die Rettungssanitäter bringen bereits den nächsten Patienten für Patrick Müller-Nolte.

Von Jasmin Paul

 

Quelle: HNA

Kommentare