Zu wenige Infos, zu hohe Kosten

Kanalbau nervt viele: Anwohner kritisieren Bauarbeiten in Spangenberg

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Die Spangenberger haben mittlerweile viel Baustellenerfahrung: Seit Februar und noch bis Ende des Jahres wird dort der Kanal erneuert. Bei vielen Anwohnern sorgt das für Unmut.

Spangenberg. Der Kanalbau in Spangenberg sorgt bei vielen Anwohnern für Unmut: Sie fühlen sich von der Stadt schlecht über die Bauarbeiten informiert und ungerecht behandelt vor allem in finanzieller Hinsicht.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Seit Februar wird der Verkehr auf den Hauptdurchgangsstraßen von Ampeln geregelt, müssen Autofahrer, aber vor allem auch die Anwohner starke Nerven zeigen. Es dauert noch bis Ende des Jahres, bis Regenrückhaltebecken gebaut, Wasserleitungen verlegt sind und die Fahrbahndecke der Straße wieder hergestellt ist. 1,9 Millionen Euro investiert die Stadt in diesem Jahr in den Kanalbau. Viel Geld.

Zu viel Geld, mutmaßen manche Anwohner und bezweifeln die Notwendigkeit mancher Projekte. Wie das der Wasserleitung, die jetzt in der Neustadt verlegt werden soll. Für die Anschlüsse ihrer Häuser an die neue Leitung müssen die Eigentümer selbst aufkommen. Das sei ungerecht, findet eine Anwohnerin und verweist aufs Solidaritätsprinzip: "Ich sehe keinen Grund dafür, dass 15 Eigentümer die Kosten für 2000 Spangenberger Innenstadtbewohner schultern sollen."

Den gebe es tatsächlich nicht, sagt Bürgermeister Peter Tigges. Denn selbstverständlich gelte das Solidaritätsprinzip: Die Anwohner zahlten ausschließlich für ihre eigenen Anschlüsse, keinesfalls aber die komplette Wasserleitung: "Die finanzieren wir natürlich wie jede andere Kommune auch über die Gebühren", sagt Tigges.

Er verwahrt sich gegen die Vermutung, dass eine neue Leitung notwendig wäre, um das Gewerbegebiet mit ausreichend Löschwasser für den Brandfall zu versorgen. Das Gewerbegebiet habe rein gar nichts mit der neuen Wasserleitung zu tun, sagt Tigges: Die alte sei bereits 1970 verlegt worden und damit längst in die Jahre gekommen: "Es wäre fatal, wenn sie nächstes Jahr kaputt ginge dann kämen ja noch höhere Kosten auf die Stadt und auf Anwohner zu."

Dieses Risiko wolle die Stadt nicht eingehen. Sie ergreife vielmehr die Chance, in einem Rutsch die gesetzlich vorgegebenen Bauarbeiten durchzuziehen. Die Anwohner sind skeptisch, werfen der Stadt vor, dass sie die Kanäle nicht mit Kameras befahren ließ, um deren Zustand zu überprüfen. Beim Abwasserkanal erfolge das noch, sagt Tigges, die Frischwasserleitung aber sei zu klein dafür. Die neue soll eine Nummer größer ausfallen: Das sei notwendig, um die Leitung den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Die Vorgaben von 1970 seien längst überholt.

Die Stadtverwaltung hat für heute, 18 Uhr, alle Anwohner, auf die Kosten zukommen, zu einem Informationstermin in den Ratskeller eingeladen.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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