Lionel Crenn setzte seinen Hund als Fußball-Orakel ein

Er kann nur gewinnen: Lehrer aus Frankreich hat in Trutzhain zweite Heimat gefunden

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Ein Herz und eine Seele: Lionel Crenn aus Trutzhain und sein Hund Cim, hier zu sehen im eigenen Garten mit Handtüchern in den Nationalfarben Frankreichs.

Trutzhain. Wenn das mal kein Eigentor war: Lionel Crenn aus Trutzhain hat seinen Hund im Vorfeld des Halbfinals der Fußball-Europameisterschaft zwischen Frankreich und Deutschland als Orakel eingesetzt.

Und was machte das treue Tier des Franzosen? Es steuerte schnurstracks auf den Napf mit der Aufschrift Allemagne zu. „Es ist seine Entscheidung. Ich kann nur gewinnen“, sagte der 52-Jährige nach der Wahl seines Französischen Spaniels. Klar, der Lehrer lebt sein halbes Leben lang in der Schwalm und fühlt sich pudelwohl. Als Fremdsprachenassistent war Crenn 1990 bei einem Austauschprogramm nach Hessen gekommen. Aus Liebe zu seiner Frau Inge ist er gern geblieben.

An der Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule lehrt der Mann aus der Bretagne Deutsch und Französisch. Spannend findet er die Aufgaben mit Flüchtlingen. Die Sprachen bringt der Trutzhainer derzeit anschaulich mit Fachbegriffen aus dem Sport bei: „Im Fußball braucht es nicht vieler Worte“.

Der Beweis: Hund Cim entschied sich für Deutschland als Sieger im Halbfinale gegen Frankreich.

Selbst ist er Bällen nur in der E-Jugend nachgelaufen. Seine Passion galt eher dem Fahrradfahren. Selbstredend verfolgt er derzeit die Tour de France. „Meine Brüder haben aber lange im Verein gespielt. In meiner Familie ist Fußball sehr wichtig“. Einen Profiklub haben die Crenns in der Hafenstadt Brest sogar direkt vor der Haustür: Nur fünf Minuten entfernt liegt das Stadion Francis-Le Blé, die Heimstätte von Stade Brestois. Beim Zweitligisten reiften Größen wie Franck Ribéry, Claude Makélélé und Bernard Lama.

„Da sind wir sehr stolz darauf“, erklärt der Pädagoge, der sich über die französische Nationalmannschaft über Videos auf dem offiziellen Kanal bei Youtube informiert. Dieser heißt „Fiers d’être Bleus“. Zu Deutsch: Stolz, blau zu sein. Deswegen übersetzt es der Trutzhainer mit dem Stolz, zu den Blauen („Les Bleus“) zu gehören. Das ist der Name der Auswahl.

Und die bereitet dem belesenen Mann aus mehreren Gründen Freude. Etwa, weil das Team von Trainer Didier Deschamps zu den fairsten Mannschaften der EM zählt. In der Offensive wissen die Gastgeber ebenfalls zu überzeugen. Damit habe die Équipe Tricolore die Herzen der Anhänger im Sturm erobert und für eine friedliche Stimmung in seiner Heimat gesorgt. Nach der EM 1984 und der WM 1998 würden die Franzosen nur all zu gern zum dritten Mal den Titel im eigenen Land holen.

Aber auch das Team von Jogi Löw genieße viele Sympathien. „Wir mögen die deutsche Mannschaft, weil sie tolle Typen hat“, betont Lionel Crenn. Was ihn nicht davon abhält, auf ein 2:1 für die Blauen zu tippen. Ehefrau Inge hält ein 3:2 für Deutschland dagegen. Das sieht der Hund der Familie ähnlich.

Quelle: HNA

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