Nachtwey plauderte über Dix, Zille und Hogarth

Kann Karikatur auch Kunst sein?

Bilderschwatz: Konrad Nachtwey (Mitte) mit seinen kunstinteressierten Gästen. Foto: Rose

Ziegenhain. Kann Karikatur auch Kunst sein? Dieser Frage spürten am Donnerstagabend die Besucher im Museum der Schwalm gemeinsam mit Museumsleiter Konrad Nachtwey nach. Die Zuhörerschar war zur Kunstbetrachtung gekommen. Mittlerweile hat es sich herum gesprochen, dass die Gäste nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Vortrag geboten wird, sondern das auch fleißig mitdiskutiert werden darf.

Und so entstand ein kurzweiliger Dialog über den Sinn, manchmal auch Unsinn, von Karikaturen, wie sie zu lesen sind und was Künstler zu dieser provozierenden Form der Darstellung inspirierte. Neben Spitzweg, Zille und Busch bedienten sich auch andere Maler dem Instrument der pointierten Abbildung. Otto Dix machte in seinem Werk „Großstadt“ auf die Missstände der 1920er-Jahre aufmerksam.

„Er zeigt die Huren, aber eben auch das Elend der ehemaligen Soldaten – beide Gruppen gehörten zu den armen Tölpeln“, erklärte Nachtwey. George Grosz zeichnete ein Paar mit Kind, das keinen Ausweg mehr sah, als sich gemeinschaftlich umzubringen. „Es geht um das Ende des Weges. Die Zeichnung ist eine bitterernste Persiflage auf eben jene Zeit“, verdeutlichte der Kunsthistoriker.

Auch der Engländer William Hogarth, um 1730 einer der großen Maler, studierte seine Umgebung kritisch. Er bildete die Tochter eines Pfarrers ab, die in London Mätresse geworden war. „Er zeigte soziale Missstände auf, indem er eine Art Bühnenbild in seinen Werken kreierte.“

Honore Daumier galt als kritischer Darsteller der Juristerei. Heinrich Zille, wohl einer der bekanntesten Karikaturisten, beobachtete scharf und hielt zum Teil auch schon obskure Dinge mit der Kamera fest.

In seinen sozialkritischen Zeichnungen skizzierte er etwa das Leben in Berliner Hinterhöfen: „Auf den ersten Blick sind die Zeichnungen sehr komisch, auf den zweiten Blick gehen sie ans Herz. Das ist die hohe Kunst“, sagte Nachtwey. Nicht umsonst habe man Zille auch „den Mann, der mit dem Herzen malt“ genannt. (zsr)

Quelle: HNA

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