Bei Proben wurde schon abgespeckt

Musikverein Dörnberg sucht seit einem Jahr einen Dirigenten

Höhepunkt im Vereinsleben: Das Neujahrskonzert des Musikvereins Dörnberg. Vor einem Jahr dirigierte Dominik Seegel die Musiker. In diesem Jahr musste das Neujahrskonzert ausfallen. Archivfoto: Michl

Habichtswald. Die Zeiten, in denen jedes Dorf seinen Musikverein hatte, sind vorbei. Zu wenig Zeit, Mitgliederschwund, kein Interesse – es gibt einige Gründe, die ein Vereinsleben zum Erliegen bringen können.

Der Musikverein Dörnberg steht nun ebenfalls vor einem Problem: Die Kapelle hat keinen Dirigenten. „Momentan mache ich den Job“, sagt Eckhard Schaub. Er ist der musikalische Leiter des Vereins, unter dessen Dach sich immerhin 110 Mitglieder tummeln, von denen 30 ein Instrument spielen und zu den Proben kommen. Schaub hatte zuvor zwölf Jahre lang die Kapelle dirigiert. Dann wurde ihm neben Job und Familie die Zeit knapp. Die Suche nach einem Nachfolger führte zu Dominik Seegel. Vier Jahre lang leitete er die musikalische Geschicke. Dann warb der Musikverein Scherfede Seegel mit einem attraktiveren Angebot ab. „Die zahlen einfach besser“, sagt Schaub.

Es gab vier Bewerber

Eckhard Schaub

Seit einem Jahr ist der Verein nun wieder auf der Suche. Zwischenzeitlich gab es vier Bewerbungen. Doch der eine, der vom Profil her gepasst hätte, fiel wegen gesundheitlicher Probleme aus. Gemeindevertreter Jürgen Rabe erkannte die Not. Er meinte es gut und schlug den Habichtswalder Kommunalpolitikern vor, den Musikverein monatlich mit 500 Euro zu unterstützen. Das Geld hätte den einen oder anderen Dirigenten vielleicht überzeugt. Doch der Antrag erhielt keine Mehrheit. Schaub, der ebenfalls Gemeindevertreter ist, hatte auch nicht damit gerechnet. „Dann hätten andere Vereine ebenfalls die Hand aufhalten können.“

Spürbare Konsequenzen

Das Fehlen eines Dirigenten hat für den Musikverein Dörnberg längst spürbare Konsequenzen. Die Arbeit mit dem Jugendorchester ruht. Wer alt genug ist, probt bei den Erwachsenen. So ist die jüngste Aktive im Orchester elf Jahre alt. Hatten die Bläser früher bis zu 50 Auftritte im Jahr, sind es nun noch 20. Musik aus der Konserve ersetzen Liveauftritte und nicht jeder, der etwas zu feiern hat, bestellt eine Kapelle. Auch stirbt den Bläsern langsam die Generation weg, die sich an den schmissigen Melodien erfreut. In Oelshausen, Altenhasungen und Ahnatal haben sich die Kapellen bereits aufgelöst.

Soweit wollen es Schaub und Vereinschef Stefan Podlaha aber nicht kommen lassen. In der Musikakademie in Kassel, an der Uni, am Staatstheater, beim Heeresmusikkorps, im Internet – an vielen Stellen suchen sie über Aushänge nach einem Dirigenten.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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