Zwei junge Justizvollzugsbeamte meisterten ihr erstes Berufsjahr im Gefängnis

Karriere hinter Gittern

Berufliche Aussichten: Claudia Klapproth und Sebastian Bambey setzen auf einen sicheren Job, seit einem Jahr arbeiten sie als Justizvollzugsbeamte im Ziegenhainer Gefängnis, hier der Blick in den Innenhof der Haftanstalt. Foto: Grede

Ziegenhain. Dieser Job prägt, da sind sich Claudia Klapproth und Sebastian Bambey inzwischen sicher. Die beiden Beamten blicken auf ihr erstes Berufsjahr in der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt zurück. Als alte Haudegen fühlen sich die beiden allerdings noch nicht. „Wir bleiben erst mal Berufsanfänger“, sagt die junge Beamtin.

Fans von TV-Knastserien sind die beiden nicht. Ihre berufliche Realität sieht anders aus. „Jeden Tag müssen wir uns in neuen Situationen behaupten“, sagt Sebastian Bambey.

Häftling erlitt Hirnschlag

Die beiden müssen ständig den schwierigen Spagat zwischen Vertrauens- und Respektsperson schaffen, denn „wir sind nicht nur für die sichere Verwahrung von Insassen zuständig, sondern auch Betreuer, Behandler und Ansprechpartner.“ So sei es ihr durchaus nahe gegangen, als sie einen Gefangenen bewusstlos in seiner Zelle gefunden habe, erzählt Klapproth. Sie arbeitet in der Abteilung Kornhaus, dem Seniorenheim des Gefängnisses. Der Mann hatte einen Schlaganfall. „Das war für mich nicht ohne“, sagt die junge Beamtin.

Professionalität und Freundlichkeit sind gefragt im Umgang mit Inhaftierten, die äußerst schwere Verbrechen begangenen haben. Bestimmte Verhaltensweisen sind in Dienstvorschriften geregelt. Während sich die uniformierten Gefängnisbediensteten in der Regel duzen, sind Gefangene immer zu siezen, erklärt die 32-Jährige. Untersagt sind beispielsweise auch private Kontakte zu Angehörigen der Gefangenen.

Für drei Jahre sind die beiden erst einmal Beamte auf Probe. Ihre berufliche Zukunft sehen sie weiter im Gefängnis: Mit einem höheren Dienstgrad kann durchaus auch eine Versetzung in eine andere Abteilung verbunden sein. Darin sehen die beiden nicht nur Abwechslung, sondern auch Chancen: „Ich muss nicht die nächsten 30 Jahre Dienst auf Station machen“, sagt Bambey.

Vom ersten Dienstjubiläum sind Klapproth und Bambey noch weit entfernt, dennoch schleichen sich berufliche Verhaltensweisen bereits im persönlichem Umfeld ein. Eine gesunde Portion an Misstrauen sorge im Gefängnis für Sicherheit im ständigen Umgang mit Mördern, Dieben und Vergewaltigern. Die Vorsicht steigere sich auch im privaten Alltag, geben die beiden zu. Im Gefängnis ist der Schlüssel der ständige Begleiter der beiden – schließlich gibt es an ihrem Arbeitsplatz keine Türklinken. Bei Claudia Klapproth ist „es schon soweit, dass ich auch zu Hause alle Türen abschließe.“ (syg)

Quelle: HNA

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