Älteste Funde in der Region

Kasseler Naturkundemuseum zeigt Skelette aus Gudensberg

Neuer Blickfang im Naturkundemuseum: Museumsleiter Dr. Kai Füldner (links) stellt zusammen mit Frank Börner, Bürgermeister von Gudensberg, und Museumsmitarbeiterin Babett Kleinschmidt die neue Vitrine mit den Fundstücken aus Gudensberg vor. Fotos: Malmus

Gudensberg/Kassel. Zusammengekauert liegen sie da, so, wie man sie fand. Eine Frau, um die 25, und ein Kind, keine drei Jahre alt – beide gestorben vermutlich an schwerer Krankheit.

Der Blick in ihre Gräber ist ein Blick in die Vergangenheit – vor 7000 Jahren wurden sie beigesetzt, Werkzeuge und Keramikscherben fanden Archäologen gleich daneben – ein Zeichen dafür, dass damals schon an ein Leben nach dem Tod geglaubt wurde.

Die beiden Skelette, die ab sofort im Kasseler Naturkundemuseum zu sehen sind, sind eine kleine Sensation. Denn sie kommen nicht von irgendwoher, sie kommen aus Gudensberg. „Sie sind die ältesten Funde von Menschen in unserer Region“, sagt Museumsleiter Dr. Kai Füldner.

Kooperation mit Gudensberg

Er ist froh, die Funde fortan als Dauerleihgabe präsentieren zu können. Die Kooperation mit Gudensberg begann 2010, etwa drei Jahre nachdem die Skelette am Fuß des Gudensberger Schlossberges gefunden wurden.

Lange wusste man nicht, wohin mit den Knochen. Auf dem zwei Hektar großen Areal, auf dem ein Neubaugebiet entstehen sollte, fand man vier weitere Skelette – und die Fundamente von 32 langschiffigen Wohnhäusern. „Diese Siedlung zeigt, dass sich die Menschen schon in der Jungsteinzeit in Gudensberg wohlgefühlt haben.“ Wohlgemerkt: Zu dieser Zeit lebten in Deutschland gerade einmal 100 000 Menschen.

„Wir blicken Menschen ins Gesicht, die vor 7000 Jahren gleich um die Ecke gelebt haben – authentischer geht es nicht.“

Allein schon deshalb musste eine adäquate Lösung für die Skelette gefunden werden. Der Kontakt mit dem Kasseler Naturkundemuseum entstand, Frank Börner, Bürgermeister von Gudensberg, setzte sich persönlich ein. Die Knochen wurden aufwendig von Babett Kleinschmidt konserviert und in ein Modell der Fundstätte eingebettet.

Jetzt steht es hinter Glas im Naturkundemuseum – „ein echter Blickfang“, wie Füldner sagt, der zunächst etwas Skrupel hatte, echte Teile von Verstorbenen zu zeigen. Doch dann überwog die Faszination: „Wir blicken Menschen ins Gesicht, die vor 7000 Jahren gleich um die Ecke gelebt haben – authentischer geht es nicht“, sagt Füldner.

Naturkundemuseum im Ottoneum

Steinweg 2, Tel. 0561 / 787 40 66, Öffnungszeiten: Di. und Do. bis Sa.: 10 - 17 Uhr, Mi.: 10 - 20 Uhr, So.: 10 - 18 Uhr, Montag geschlossen.

Quelle: HNA

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