Katja Becker aus den USA will in ihrer Heimat die Technik des Spinnens lernen

Nicht ohne Schwälmer Schnätzchen: Katja Becker (55) lebt in den USA und will in ihrer alten Heimat ein Jahr lang die Technik des Spinnens erlernen. Foto:  Rose

Bad Zwesten/Schwalm. Als Katja Becker vor 35 Jahren die Schwalm verließ, wollte sie arbeiten, leben und frei sein in den USA.

Aus dem Plan, auf Zeit in die Staaten zu gehen, sind mehr als drei Jahrzehnte geworden. Und obwohl ihr Lebensmittelpunkt heute in Michigan liegt, hat Katja Becker nie ihre Wurzeln vergessen. Aktuell besucht die 55-Jährige für ein Jahr ihre alte Heimat.

Aus Treysa stammend, wuchs Becker in Appenhain auf, machte dann eine Ausbildung in Kosmetik und Massage bei Bernd Albrecht. Mit Anfang 20 ging sie in die USA, um dort zu arbeiten. Heute betreibt sie zusammen mit Tochter Liese eine eigene Praxis. Zeit ist für Katja Becker aktuell purer Luxus: „Ich habe in den vergangenen Jahren tausende Dollar in Flugtickets gesteckt, und trotzdem war die Zeit in Deutschland immer zu kurz“, sagt sie. Bis Dezember wird sie nun in Bad Zwesten - dort lebt ihre Mutter - wohnen.

Vor allem mit der Familie möchte sie Zeit verbringen. Aber auch Kontakte knüpfen. Denn Katja Becker hat ein besonderes Hobby für sich entdeckt: das Spinnen. Vor zwei Jahren lernte sie über das Internet bereits Filzerin Hella Barwe aus Obergrenzebach kennen. Schon als junge Frau habe sie sich für alte Handwerkstechniken interessiert, erklärt die 55-Jährige: „Ich habe als junges Mädchen Schwälmer Stickerei gelernt.“

Jetzt erhofft sie sich, mehr und vor allem die richtigen Techniken des Spinnens zu erfahren. Das Spinnrad ist übrigens ein altes Erbstück. Katja Becker hat es extra aus den USA mitgebracht.

„Mich fasziniert, aus Nichts etwas zu machen“, sagt sie. Im Jahr 2000 habe sie die Kunst für sich entdeckt, auch aus einer gewissen Not heraus. „Ich stricke für mein Leben gern, aber die teure Wolle konnte ich mir damals nicht leisten“, erklärt die Mutter von fünf Kindern. Mit der Zeit habe sie gelernt, noch tollere Wolle herzustellen, sie habe auch selbst Schafe gehalten. Was sich Katja Becker wünscht ist, die alten Kniffe zu erfahren.

„In den USA wird mit der neuesten Technik aus Neuseeland und Australien gesponnen, aber ich möchte das traditionelle Spinnen lernen.“ Auf dem Dachboden hat sie Flachs entdeckt: „Aber ich weiß nicht wirklich, wie er verarbeitet wird“, sagt sie. Sie freue sich auf Menschen, die ihr nicht nur das, sondern eben auch die passenden Gerätschaften zeigen könnten. Dinge selbst zu machen, darauf legt die 55-Jährige Wert.

Rund um das große Haus in Michigan baut die Treysaerin Obst und Gemüse selbst an, verkauft die Waren regelmäßig auf dem Markt. Für das Jahr in Deutschland suche sie ebenfalls ein Stück Garten. Auch wünsche sie sich eine Aufgabe: Aktuell gebe sie bereits Englischunterricht und helfe auf einem Hof.

Über ihre Heimat sagt Katja Becker: „Je älter ich werde, umso mehr liebe ich diese Landschaft.“ Zu ihrer deutschen Familie sei die Verbindung auch über tausende Kilometer hinweg immer stark geblieben. „Wir hängen nicht ständig an der Strippe, aber wir können uns aufeinander verlassen und uns wichtig nehmen“, erklärt sie.

Und eines habe sie sich über all die Jahrzehnte auch in den USA bewahrt: „Ich trage zuhause auch mein Schwälmer Schnätzchen.“

Von Sandra Rose 

Kontakt: Wer mit Katja Becker in Kontakt kommen möchte, erreicht sie per E-Mail an katja@allendayspa.com.

Quelle: HNA

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