Possierliche Plagegeister

In Kehrenbach leben Waschbären in leerstehenden Häusern

Niedlich, aber unerwünscht: Waschbären in Kehrenbach.

Kehrenbach. Sie sind possierlich, aber sie vermehren sich rasant: In Kehrenbach haben sich mindestens 40 Waschbären in verschiedenen leerstehenden Häusern.

Ortsvorsteher Günther Schmoll schlägt jetzt Alarm. „Wir müssen die Situation ernst nehmen, sonst bekommen wir ein Problem, dass wir nicht mehr lösen können.“ Schon jetzt sei es quasi unmöglich, die Tiere wieder loszuwerden.

Mülltonnen und Hühnerstall

Acht Häuser stehen im Melsunger Stadtteil mit gerade einmal 300 Einwohnern leer - einige Immobilien sind verwahrlost und einsturzgefährdet.

Die Tiere leben bevorzugt in den Dachböden der Häuser und gehen nachts auf Raubzug. Obstbäume und Mülltonnen sind begehrte Ziele, zuletzt wilderten die Waschbären in einem Hühnerstall.

Die verwahrlosten Häuser und Schuppen böten hervorragende Brutstätten für die Tiere, sagt der Kehrenbacher Gerhard Schmoll, der Jäger ist und sich mit seinem Namensvetter um eine Lösung der Waschbärplage bemüht. Vor allem seien ganz schöne Oschis dabei. Überall im und um den Ort herum fänden sich Spuren der Tiere.

Die Waschbären zu bekämpfen, hält Günther Schmoll für ein sinnloses Unterfangen. Seit fünf Jahren vermehrten sich die Tiere gut gelaunt und seien dabei auch noch frech. In den Nachstunden wackelten ganze Familien auf Nahrungssuche durch den Ort.

Problem: Leere Häuser

Die Dorfgemeinschaft habe keine Handhabe was die leerstehenden Häuser angehe. Die Eigentümer meist Erben - kümmerten sich nicht. Erhoffte Verkaufserlöse seien nicht zu erzielen, Investitionen würden nicht getätigt und Sicherungsarbeiten nicht erledigt, ärgert sich der Ortsvorsteher. Auf einem Grundstück habe man jetzt meterhohes Unkraut entfernt: „Eigentlich dürfen wir die Grundstücke nicht betreten. Die Häuser müssten am besten abgerissen werden, wenigstens aber von den Waschbären befreit werden und dann waschbärsicher verschlossen werden. Ohne Einsicht der meist auswärtigen Eigentümer sei das aber nicht möglich. An diese wolle man jetzt appellieren.

Problem: Füttern der Tiere

An der Hauptstraße: Günther Schmoll und Gerhard Schmoll vor einem sehr baufälligen Haus in Kehrenbach. In dem Haus lebt eine Waschbärenfamilie mit einigen Mitgliedern. Nachts gehen die Tiere auf Nahrungssuche. Foto: Dewert

Die Waschbären seien natürlich sehr niedlich, aber eben auch Plagegeister und Krankheitsüberträger. Es gebe immer noch Einwohner im Ort, die die Tiere fütterten. Das müsse unbedingt unterlassen werden, sagt Günther Schmoll. Man dürfe den Tieren den Aufenthalt nicht noch angenehmer machen. Außerdem locke man weitere Waschbären aus dem nahen Wald an. Kehrenbach wirbt selbst mit Natur pur, der Ort ist umgeben von Waldflächen. Alle Einwohner müssten darüber hinaus sensibilisiert werden, ihre eigenen Häuser vor Waschbären zu schützen. Einmal eingezogen, könnten die Tiere einen regelrecht terrorisieren.

Schwierige Lösung

Für Waschbären besteht noch Schonzeit bis zum 31. Juli. Grundsätzlich darf in befriedeten Gebieten (Orten/Gebäuden) laut der Unteren Jagdbehörde nur der Grundstückseigentümer jagen oder fangen. Kreissprecher Stephan Bürger verweist auf die Möglichkeit der Stadt, eine Ersatzvornahme gegen die Hauseigentümer auszusprechen: Unter Einhaltung von Fristen kann die Stadt beim Eigentümer ankündigen, selbst aktiv zu werden. „Die Stadt geht aber in Vorleistung und muss sich anschließend um das Geld bemühen“, sagt Bürger. Solch einen Weg könne er sich vorstellen, sagt Melsungens Bürgermeister Markus Boucsein. Man müsse sich jetzt mit dem Ortsbeirat beraten.

Quelle: HNA

Kommentare