Trotz idyllischer Lage: In Kehrenbach sinkt die Einwohnerzahl

Blick auf den Ort: Rentner Dieter Herchenhan pflegt den Aussichtspunkt Schönblick. Kleines Foto: ein leerstehendes Gebäude in Kehrenbach. Fotos: Gehlen

Kehrenbach. Neue Straßen, neue Kanäle, schnelles Internet - eigentlich könnten die Bewohner des Melsunger Stadtteils Kehrenbach entspannt in die Zukunft sehen. Doch ohne Existenzängste ist man dort nicht: Denn die Einwohnerzahl sinkt, vor allem junge Menschen wandern ab.

Dabei befindet sich der kleinste Melsunger Stadtteil in einer paradiesischen Situation: Größere Bau- und Sanierungsprojekte stünden in den nächsten Jahren nicht an, sagt Ortsvorsteher Günther Schmoll: „Da hat die Stadt einen guten Job gemacht.“

Zentrum des sozialen Lebens ist das Dorfgemeinschaftshaus: „Hier ist jeden Abend was los.“ Auch auf den Spielplatz sind die Kehrenbacher stolz: Er sei der schönste in Melsungen und locke auch Kindergruppen aus anderen Ortsteilen an.

Trotzdem macht die Bevölkerungsentwicklung Kehrenbach zu schaffen: Das letzte Neugeborene gab es vor zwei Jahren, die Einwohnerzahl sank seit 2009 um acht Prozent auf 308 Personen - obwohl sogar junge Familien zuzogen. Dabei verliere man die junge Bevölkerung nicht an Melsungen, sagt Schmoll. Stattdessen ziehe der Nachwuchs nach der Ausbildung eher nach Kassel.

Dass Kehrenbach und Umland so gepflegt aussehen, hat mehrere Gründe: Zum einen gibt es einen Landwirt und Schafzüchter im Ort, die Äcker und Wiesen bewirtschaften und beweiden, zum anderen engagieren sich Spender und Ehrenamtliche. Eine gute Seele ist Dieter Herchenhan: Der 68-jährige Rentner arbeitet beispielsweise am Aussichtspunkt Schönblick. Die Sitzmöbel dort haben für rund 1200 Euro der Kehrenbacher Kaufmann Jörg Vockeroth, das Mühlengassenteam und die Dorfgemeinschaft gespendet.

Doch auch solches Engagement kann Leerstand im Ort nicht verhindern: 8 von 70 Gebäuden sind ohne Bewohner. Ein Haus sei sogar für nur 10 000 Euro zu haben, sagt Schmoll. Er hofft trotzdem, dass sich das Blatt noch zugunsten von Kehrenbach wendet: „Vielleicht kommen die Jungen ja irgendwann zurück.“ www.kehrenbach.de

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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