Mediziner ist gesetzlich verpflichtet, erreichbar zu sein

Ärger mit Telefonanbieter: Kein Anschluss beim Augenarzt

Ärger mit dem Anbieter 1&1 wegen des Anschlusses: Der Wolfhager Augenarzt Dr. Seyed Mohi ist seit mehreren Tagen weder telefonisch noch per Fax erreichbar, hier übergibt er Patientin Karin Kranz die Notfallnummer, die sich ebenfalls nach der Erreichbarkeit der Praxis erkundigt hatte. Foto: Ulbrich

Wolfhagen. Ärger mit Telefonanbieter führt dazu, dass ein Wolfhager Mediziner seit einigen Tagen nicht mehr zu erreichen ist.

Seit 25 Jahren betreibt Dr. Seyed Mohi seine Augenarztpraxis an der Schützeberger Straße in Wolfhagen. Dass er jemals über einen längeren Zeitraum nicht für seine Patienten erreichbar ist - weder per Telefon noch Fax - habe er aber noch nicht erlebt. Mohi beschreibt die Situation kurz und knapp mit dem Wort „katastrophal“.

Hintergrund der Probleme um die Erreichbarkeit des Augenarztes ist eine Auseinandersetzung mit seinem bisherigen Anbieter 1&1. Da er in den vergangenen vier Jahren als Kunde bei 1&1 immer wieder Verbindungs-Probleme sowohl bei Telefon, Fax und Internet hatte, entschloss sich der Arzt dazu, den Vertrag zum 20. Januar zu kündigen - auch weil alle Versuche des Anbieters scheiterten, Abhilfe zu schaffen.

Daraufhin meldete sich ein 1&1-Mitarbeiter und versprach Mohi, schriftlich ein verbessertes Angebot zu unterbreiten, darauf wartet der Mediziner bis heute. Da Mohi aber als Arzt gesetzlich verpflichtet ist, erreichbar zu sein und inzwischen sogar Briefe seiner Patienten bekam, die ihn telefonisch nicht erreichten, versuchte er die Kündigung rückgängig zu machen. „Darüber hinaus bin ich auch zwingend auf das Fax angewiesen, über das sämtliche Terminvereinbarungen mit Kliniken laufen“, sagt der Augenarzt. Im schlimmsten Falle drohe ihm durch die Nicht-Erreichbarkeit sogar eine Klage durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Täglich bis zu zehn Telefonate, teils bis zu 45 Minuten lang, mit 1&1 sowie Dutzende E-Mails und Briefe folgten, um die Kündigung rückgängig zu machen - ohne Erfolg.

Also wendete er sich an die Telekom und schloss einen neuen Vertrag ab. Problem dabei: Ohne Freischaltung („Portierung“) von 1&1 kann die Telekom den Anschluss nicht aktivieren, sagt Mohi.

Dass man seitens 1&1 inzwischen versprochen habe, die Angelegenheit mit der Telekom zu klären (siehe Artikel rechts), tröstet Mohi wenig, der ständig von Patienten auf das Problem angesprochen wird. Bis auf Weiteres ist er daher unter der Ausweichnummer 05692/99 67 111 erreichbar und bittet seine Patienten um Verständnis.

Das sagt der Anbieter 1&1: 

Christina Bastron, Pressesprecherin des Anbieters, sagt, dass man den Sachverhalt eingehend geprüft habe: „Herr Dr. Mohi hat seinen Vertrag mit uns zum 19. Januar gekündigt. Daraufhin hat 1&1 die Leitung freigegeben. Es handelt sich also nicht um einen Anbieterwechsel im Sinne des Telekommunikationsgesetzes, sondern um eine reguläre Kündigung zum Ende der Vertragslaufzeit. Der Portierungsauftrag der Deutschen Telekom hat uns erst nach Vertragsende erreicht. Um das Anliegen des Kunden zu klären, haben wir uns umgehend mit der Deutschen Telekom in Verbindung gesetzt, und stimmen den Vorgang ab. Selbstverständlich werden wir Herrn Dr. Mohi über den weiteren Fortgang informieren.“

Leider sei es aus technischen Gründen nicht möglich, eine Bandansage oder Rufumleitung für die Nummer einzurichten, da diese durch die Kündigung des Vertrages deaktiviert wurde, erklärte Bastron weiter.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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