Kein Ersatz von der Stange

Patient bekam erstes maßgeschneidertes Hüftgelenk implantiert

Fühlt sich fit: Hans-Georg Knapp (links) freut sich, dass er als erster Patient im Asklepios-Klinikum Schwalmstadt ein maßgeschneidertes Hüftgelenk implantiert bekommen hat. Auch Dr. Karol Stiebler, der Operateur und Chefarzt in der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, ist zufrieden mit der maßgeschneiderten Lösung. Foto: Lache-Elsen

Schwalmstadt. Hans-Georg Knapp ist ein Spezialfall. Er war ein Kandidat für ein künstliches Hüftgelenk, nur mochte keines der Standardimplantate so recht in seine ungewöhliche Knochenstruktur passen.

Die optimale Lösung fand der 65-jährige Rentner, der bis zu seiner Pensionierung als Agrar-Ingenieur gearbeitet hat, vor seiner Haustür. Im Asklepios-Klinikum Schwalmstadt bekam er von Dr. Karol Stiebler, Chefarzt in der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, als erster Patient eine maßgefertigte Hüftprothese eingesetzt.

Ein Novum: Unter den 150 Patienten, die pro Jahr ein Hüftimplantat eingesetzt bekommen, seien etwa drei bis fünf, bei denen solch ein maßgefertigtes High-Tech-Ersatzteil als Sonderversorgung gerechtfertigt sei, sagt Stiebler. Grund für die Operation war, wie bei den meisten Patienten, ein hochgradiger Verschleiß des Hüftgelenks.

Hans-Georg Knapp wurde Mitte November operiert. „Mir geht es gut, sehr gut“, sagte der Leimsfelder kurz vor seiner Entlassung aus dem Klinikum Schwalmstadt, dem sich unmittelbar eine Reha anschloss.

Es gibt verschiedene Formen des Oberschenkelknochens. Im Durchschnitt habe man es mit Patienten zu tun, zu deren Anatomie ein Standardimplantat passt, erklärt Stiebler.

Es gebe ein Portfolio von Standardimplantaten mehrerer Hersteller und unterschiedlicher Varianten. Die würden stets geprüft und das passendste ausgewählt. Die passten in die allermeisten Oberschenkelknochen. „Wenn das nicht der Fall ist, kann man mit Zement ausgleichen oder den Oberschenkelknochen aufbohren. „Da wird die Anatomie an die Prothese angepasst“, skizziert der Chefarzt das Verfahren. Weshalb wurde Hans-Georg Knapp eine Spezialanfertigung implantiert? Er hat, wie der Chefarzt erklärte, „ein sehr breit ausladendes körpernahes Ende des Oberschenkelknochens und gleichzeitig einen sehr engen Schaft“. Bei einem Standardimplantat hätte man entweder eine kleine Prothese mit sehr viel Zement verankern oder viel Knochen wegfräsen müssen, um eine Prothese zementfrei, stabil zu verankern. Dabei wäre die Gefahr gewesen, „dass man den Knochen so weit schwächt, dass er die Prothese nicht mehr trägt“.

Das maßgefertigte Hüftgelenk kostet etwa das dreifache eines Standardimplantats. Krankenkassen übernehmen bisher nur einen Teil der zusätzlichen Kosten. Dennoch möchte Dr. Stiebler diese Sonderversorgung in speziellen Fällen in sein Portfolio aufnehmen: „Wir wollen andere Wege gehen und das Implantat an den Patienten anpassen.“ Knapp ist sehr zufrieden und freut sich, dass die Schmerzen bald Vergangenheit sind.

Bald will er wieder Sport treiben. Früher spielte er hochklassig Tischtennis, ein Jahr Oberliga, später Hessenliga. Und wenn heute jüngere Leute gegen ihn verlieren und sich ärgern, „dann ist das ein Kompliment für mich“, sagt der 65-jährige mit einem Augenzwinkern.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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