„Kein neues Gesetz nötig“: Franz Müntefering über Sterbehilfe

Morschen. Am Dienstag wird im Kloster Haydau in Morschen (Beginn 19.30 Uhr) über aktive Sterbehilfe diskutiert. Auf dem Podium sitzt auch Franz Müntefering. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Müntefering, wie sähe ein Gesetzentwurf zur aktiven Sterbehilfe aus, den Sie mitbestimmen könnten? 

Franz Müntefering: Aus meiner Sicht benötigen wir kein neues Gesetz. Suizid ist in Deutschland nicht strafbar - insofern ist auch die Beihilfe nicht strafbar. Was wir nicht erlauben sollten, sind geschäftsmäßige Sterbehilfeorganisationen.

Aber sollte auch die aktive Sterbehilfe straffrei werden? 

Müntefering: Der Begriff ist meiner Meinung nach falsch gebraucht. Es geht um assistierte Selbsttötung. Denn jeder Mensch benötigt Hilfe beim Sterben. Aber damit meine ich die bestmögliche Pflege durch Angehörige und Hospizdienste sowie die palliativmedizinische Versorgung.

Wenn ein schwerstkranker Mensch den Wunsch zu sterben umsetzen möchte, findet er einen Weg. 

Müntefering: Wir wollen den Suizid nicht unter Strafe stellen. Wir lösen das Problem nicht still und leise, wenn wir die aktive Selbsttötung zulassen.

Welche Rolle spielt die Religion in dieser Frage? 

Müntefering: Bei mir spielt sie keine Rolle. Die Beantwortung der Frage sollte sich aus dem Grundgesetz ableiten.

Was halten Sie dann vom aktuell diskutierten Vorschlag im Bundestag? 

Müntefering: Dieser sieht vor, die assistierte Beihilfe bei einer begrenzten Lebenserwartung straffrei zu stellen. Aber wer soll begrenzt definieren. Wie lange ist das. Haben die Betroffenen dann einen Rechtsanspruch und wer löst diesen ein. Vernünftigerweise darf es kein Gesetz geben, das in Kategorien einteilt, wer sterben darf und wer nicht.

Sie sehen eine weitergehende gesetzliche Regelung also grundsätzlich kritisch? 

Müntefering: Wir können doch nicht von Abgeordneten verlangen, über ein Gesetz zu entscheiden, wer sterben darf und wer nicht. Die Diskussion ginge dann auch immer weiter. In der Schweiz wird beispielsweise derzeit diskutiert, ob man Menschen, die ein bestimmtes Lebensalter erreicht haben, miteinbezieht.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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