Die schottischen Hochlandrinder von Reinhard Berdi leben 365 Tage unter freiem Himmel

Kein Ochse für die Krippe

Der 16 Zentner schwere Zuchtbulle „Mac vom Burghof“ genießt Streicheleinheiten: Schottische Hochlandbullen sind umgängliche Tiere, die bis ins hohe Alter leicht zu handhaben sind. Fotos: Triesch

Wolfhagen. Obwohl der Ochse in den biblischen Weihnachtsgeschichten gar nicht erwähnt wird, hat er dennoch einen festen Platz in vielen Krippendarstellungen – denn Tiere wie er gehörten damals in einen üblichen Viehstall.

Ganz anders die Hochland-Rinder von Reinhard Berdi: Mitten im Naturschutzgebiet Glockenborn, in der Nähe von Bründersen, grasen die Hochlandrinder das ganze Jahr über und erschaffen damit eine ländlich-idyllische Parkszenerie. Auf sechseinhalb Hektar haben Berdis Bulle „Mac vom Burghof“ und dessen weibliche Gefolgschaft nebst Nachwuchs ausreichend Platz für ein artgerechtes Leben. Denn im Gegensatz zu den in Deutschland ansässigen Rindern leben die schottischen Hochlandrinder das ganze Jahr im Freien.

„Durch ihr langes und dichtes Fell benötigen sie auch im Winter keinen Stall, der sie vor Kälte schützen muss“, erklärt Reinhard Berdi. „Denn die Bedingungen in den schottischen Highlands mit kargen Weiden, häufigem Niederschlag und harten Wintern haben die Rinder in den letzten 200 Jahren zu ausgesprochen robusten und recht anspruchslosen Tieren gemacht.“

Als Mitglied im Verband Deutscher Highland-Cattle Züchter weiß Berdi, wovon er spricht: Seit 25 Jahren betreibt er nun schon seine eigene Zucht. Täglich zieht es den 60-Jährigen aus dem Büro auf die Weide, um vom beruflichen Alltag abzuschalten und nach dem Rechten zu sehen. Momentan leben 28 Tiere mit dem klangvollen Herdennamen „von der Weidelsburg“ in Berdis Gehegen.

Landschaftspflege

Die Tiere im Glockenborn werden weder zum Zweck der Milchgewinnung gehalten noch müssen sie Angst haben, als Steak auf einem Teller zu landen. „Ihre Aufgabe ist es, den naturnahen und artenreichen Zustand ihrer Koppeln zu erhalten“, erzählt Berdi. Denn die Beweidung durch die Hochlandrinder sei sehr schonend und mache menschliche Eingriffe unnötig.

In der ökologischen Bewirtschaftung von Grünland und in Landschaftspflegeprogrammen finden die rassetypischen Qualitäten der Tiere so eine sinnvolle Verwendung. In Deutschland erstmals im Jahr 1978 zur landwirtschaftlichen Nutzung eingeführt, fanden die Hochlandrinder nicht nur wegen ihrer urwüchsigen Schönheit eine große Verbreitung. Sie sorgten mit der extensiven und naturnahen Mutterkuhhaltung für eine Renaissance der natürlichen Rinderhaltung.

Erlös ist geringer

Zwar sei der Erlös aus der Freilandhaltung geringer gegenüber der Stallhaltung, so Berdi, aber ihm gehe es dabei auch weniger um den Ertrag, als um das Wohlergehen seiner Tiere, deren Natürlichkeit und die Freude an seinem geliebten Hobby.

Von Melanie Triesch

Quelle: HNA

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