Nein zum Umbau des Gerhardt-von-Reutern-Haus: Kein Platz für Kunst mit Weltniveau

Vereinigung Malerstübchen muss Museumskonzept aufgeben

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Wenig Perspektiven: Im Gerhardt-von-Reutern-Haus wird voraussichtlich kein Kunst- und Kulturhaus entstehen, damit brechen wichtige Förderungen weg.

Willingshausen. Mit dem Nein des Willingshäuser Parlaments zum Ausbau des Gerhardt-von-Reutern-Hauses sieht die Vereinigung Malerstübchen die Entwicklung des Kulturstandorts akut bedroht.

„Uns belastet die damit zugeschlagene Tür“, erklärte Prof. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Kassel und Vorstand der Malerstübchen-Vereinigung. Insbesondere die künftige museale Konzeption basiere auf einer Erweiterung des Malerstübchens um die Räumlichkeiten, die derzeit von Willingshäuser Vereinen genutzt werden, sagte Küster.

Wegbrechen würde damit aus seiner Sicht sofort die Förderung durch den Hessischen Museumsverband, die bereits dauerhaft in Aussicht gestellt gewesen war. Ohne eine erweitertete Ausstellungsfläche und eine wissenschaftlich belegte Inventarisierung der Kunstbestände werde daraus nichts. Auf rund 25.000 Euro müsste die Vereinigung damit im Jahr verzichten, schätzt Malerstübchen-Kassierer Horst Faust. Ein Minus, das durch Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder nicht ausgeglichen werden könnte.

Bereits in diesem Jahr profitierte das Malerstübchen vom Museumsverband, der unter anderem die Knaus-Ausstellung, die sich in diesem Frühjahr als wahrer Publikumsmagnet für Willinghausen erwies, unterstützte. Schwarz sehen die Kunstexperten der Malerstübchenvereinigung damit auch für die im kommenden Sommer geplante Spitzweg-Ausstellung. Abgeschreckt werden aus Sicht von Helmut Geißel, Vorsitzender der Vereinigung Malerstübchen, auch Sammler, die ihre Exponate im Gerhardt-von- Reutern-Haus ausstellen wollen. Es gebe viele Angebote. Dem gegenüber stehe allerdings immer die Frage, „wo bringen wir das unter?“. Eine flächenmäßig größere Dauerpräsentation sei unumgänglich.

Das unterstreicht auch Küster. Es müsse eine Überblicksausstellung geben. Seine These: „Die Willingshäuser Maler des 19. Jahrhunderts stehen immerhin für Weltniveau.“ Und in allen Orten, in denen Künstler waren, sehe man die Kunst auch.

Geißel sieht nun auch die Position Willingshausens in der Vereinigung europäischer Künstlerkolonien Euro Art bedroht. Im kommenden Jahr wird das Malerdorf als Gastgeber des Euro Art Kongresses für ein Wochenende das Schaufenster Europas. Aber ohne weitere Entwicklungsperspektiven könnte Willingshausen auch aus der Euro Art austreten, meint Geißel.

Von Sylke Grede

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Quelle: HNA

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