Kein Respekt vor Opfern: Diebe nutzen Spendenkonten bei Online-Kauf - Betrugsversuch zufällig entdeckt

Die Täter haben über das Internet agiert: Bei Online-Einkäufen hatten sie die beiden Spendenkonten für das Lastschriftverfahren angegeben. Foto: dpa

Das Thema Unbekannte haben versucht, Geld vom Spendenkonto für die Brandopfer von Zimmersrode illegal abzubuchen. Auch auf das Konto, das die Busfahrer von Neukirchen eingerichtet haben, wurde ein Angriff gestartet. In beiden Fällen sei der Versuch entdeckt und vereitelt worden. Neuental. „Es ist eine Sauerei hoch drei", sagt Harald Potsch. „Wie kann man nur versuchen, aus der Not der Menschen Profit zu schlagen", sagt der Busfahrer aus dem rheinlein-pfälzischen Deidesheim.

Zusammen mit Kollegen hatte er ein Spendenkonto für die Brandopfer von Zimmersrode eingerichtet. Umso fassungsloser ist er von der dreisten Masche der Betrüger.

Unbekannnte hatten sein Spendenkonto sowie das der Feuerwehr Neuental bei den Online-Händlern Amazon.de und eBook.de angegeben, um damit mehrere Einkäufe zu bezahlen.

Potsch schaue jeden Tag über das Internet, was sich auf dem Spendenkonto bei der Sparkasse Rhein-Haardt tut. Vorvergangenen Freitag wurde er stutzig. Vier Abbuchungen im Wert von 23,90 Euro, 27,99 Euro, 39,99 Euro und 41,99 Euro waren für den folgenden Montag und Dienstag vorgemerkt. In allen vier Fällen wollte der Online-Händler eBook.de Geld abbuchen. Das ging aber nicht. „Das Konto war von vornherein für alle Abbuchungen gesperrt“, erklärt Potsch.

„Hauptsache, dem Geld ist nichts passiert und wir können unserem Kollegen helfen.“

Der Busfahrer witterte die Gefahr und warnte die Feuerwehr Neuental. Denn auch sie hatte ein Spendenkonto eingerichtet. Wie sich zeigte, sollte sie ebenfalls Opfer der Masche werden. Das Konto der Neuentaler liegt bei der Raiffeisenbank Borken. Dort hatte Sven Ziegler aus der EDV-Abteilung am Donnerstag bei einer Routineprüfung des Kontos Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Mehrere Bestellungen

Bis Freitag sollten insgesamt 200 Euro vom Konto an die Online-Händler Amazon und eBook.de gehen - aufgeteilt auf mehrere kleine Bestellungen. Auch Ziegler reagierte, informierte die Kontoinhaber, veranlasste die Rückbuchung des Geldes und sperrte das Konto für Lastschriftverfahren. Entsprechend ist auch in dem Fall kein finanzieller Schaden entstanden.

Schaden abgewendet

Harald Potsch kann nur mutmaßen, warum sich die Unbekannten das Spendenkonto ausgesucht haben. „Vielleicht dachten die, es würde zwischen den vielen Buchungen nicht auffallen“, sagt Potsch.

Der Busfahrer aus Deidesheim ist einfach nur froh, dass Schaden vom Spendenkonto abgewendet wurde. „Hauptsache, dem Geld ist nichts passiert und wir können unserem Kollegen helfen“, erklärt er. Und helfen wollten viele. Inzwischen seien Spenden aus der Schweiz, Italien, Luxemburg und Irland auf dem Konto eingegangen. „Es ist toll, wie hier zusammengehalten wird.“

Von Anke Laumann

Das sagt Bürgermeister Kai Knöpper

Nach der Brandkatastrophe von Zimmersrode, bei der eine 31-Jährige und ihre zwei Jahre alten Zwillinge um Leben gekommen sind, richtete die Feuerwehr Neuental ein Spendenkonto für den hinterbliebenen Ehemann ein. „Viel tiefer kann man nicht mehr sinken“, sagt Neuentals Bürgermeister Kai Knöpper. Insgesamt habe es zehn Angriffe auf das Spendenkonto gegeben. Er habe bereits Daten gesammelt und werde am Montag Strafanzeige stellen, betont der Rathauschef im HNA-Gespräch. Er hoffe, dass man den Tätern schnell auf die Schliche komme.

Da die Kontonummer durch den Spendenaufruf deutschlandweit bekannt war, sei es für Kriminelle recht einfach, sich der Daten zu bedienen und Bestellungen zu tätigen, sagt Knöpper. Allerdings habe man in Kooperation mit der Bank schnell reagieren können und die Beträge zurückgebucht. Überhaupt habe man das Konto täglich im Blick, weil die Spenden direkt auf das Konto des verwaisten Vaters überwiesen würden.

Der Vorfall sei eine „Schweinesauerei“, sagt Knöpper und macht aus seiner Wut auf die Übeltäter kein Geheimnis. (may)

Quelle: HNA

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