Bürgermeister lehnen Angebot aus Berlin ab – Gesundheitsfragen sind wichtiger als Bares

Keiner hat Interesse am Geld

Mario Gerhold

Kreisteil Melsungen. Bei den Bürgermeistern im Kreisteil Melsungen, deren Städte und Gemeinden von der Höchstspannungsfreileitung betroffen wären, löst das Planspiel in Berlin keine Begeisterung aus. Die angedachte Einmalzahlung von 40.000 Euro pro Trassenkilometer bringt sie nicht ins Wanken.

Dieter Runzheimer

„Thema verfehlt“, urteilt Körles Bürgermeister Mario Gerhold über die Idee der Bundespolitiker. Aus der öffentlichen Diskussion der vergangenen zwei Jahre sei herauszuhören gewesen, dass die Einwohner Angst vor gesundheitlichen Risiken hätten.

Bei rund drei Trassenkilometern käme dabei zwar etwas für die Gemeindekasse heraus, viel Geld löse aber die Bedenken und den Unmut nicht auf. Gerhold: „Mit Geld kann man das Problem an dieser Stelle nicht lösen.“

Für Guxhagens Bürgermeister Edgar Slawik ist das Ganze eine Beruhigungspille. „Man will uns praktisch unseren Protest abkaufen.“ Das sei umso erstaunlicher, als sonst nirgends Geld verschenkt werde. Da stelle sich die Frage: „Wenn das Planverfahren astrein gelaufen ist, wieso wird dann ein Betrag X vom Bund gezahlt?“ Anders ausgedrückt: Wenn das Planungsverfahren beim Regierungspräsidium im Sinne der Betroffenen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geführt worden ist, warum dann materieller Ersatz? Slawik: „Das macht mich eher misstrauisch als freudig erregt.“

Edgar Slawik

„Wir lassen uns nicht mit Geld ködern“, sagt Malsfeld Bürgermeister Herbert Vaupel. Es gehe um die Menschen, die von den Freileitungen betroffen wären, und die hätten von dem Geld nichts. Etwa fünf Kilometer der Trasse, so die Schätzung des Bürgermeisters, verlaufen im Gemeindegebiet Malsfeld. Einnahmen von etwa 200 000 Euro wären also zu erzielen.

Auf die Frage, ob man mit dem Geld nicht beispielsweise das kommunale Stromnetz zurückkaufen könne, sagte Vaupel, er halte nichts von einer solchen Verquickung.

Herbert Vaupel

„Man kann den Menschen ihre Angst nicht abkaufen“, sagt Melsungens Bürgermeister Dieter Runzheimer zu der angebotenen Einmalzahlung an der 380-kV-Trasse. Es sei die Nähe der geplanten Freileitung zu den Wohngebieten, die so nicht zu akzeptieren sei. Das könne man so nicht hinnehmen. Das Planspiel aus Berlin werde daher keinen Erfolg haben, sagte der Melsunger Bürgermeister voraus.

„Die Gesundheit der Bevölkerung ist mir wichtiger als jede Entschädigung für jeden Trassenkilometer“, sagt Morschens Bürgermeister Herbert Wohlgemuth. Besser wäre es für alle Beteiligten, wenn die Planungsbehörden auf Vorschläge zum Trassenverlauf eingingen. So wünsche Morschen, dass ein Teil der 380 KV-Leitung durch den Wald geführt werde.

Auf die Frage, ob das Geld in Morschen nicht willkommen sei, beispielsweise für den Rückkauf der Stromnetze, sagte Herbert Wohlgemuth: „Das kann man mir nicht schön reden.“ (hro/lgr)

Quelle: HNA

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